Entwicklung zur expressiven Kunst – im Gespräch mit Helga Budde-Engelke

Die geschulte Wahrnehmung ist für die Künstlerin Helga Budde-Engelke ein wesentliches Kriterium für die Entwicklung künstlerischer Arbeiten. Außerdem bedarf es natürlich der Kenntnis der technischen Aspekte, um sich individuell weiterentwickeln zu können. In ihren Workshops und Kursen zur expressiven Kunst sieht sich die sympathische Künstlerin daher als eine Art Wegbegleiterin zum eigenen künstlerischen Selbstverständnis. Dabei geht es ihr vor allem um das Erreichen von Authentizität.

„Malen lernt man nicht nur über das Erlernen von Techniken. Malen lernen heißt vor allem Sehen lernen.“

Helga Budde-Engelke, Rote Landschaft
Helga Budde-Engelke, "Rote Landschaft", 2017. 80 x 80 cm, Acryl auf Leinwand - Expressive Kunst und intensive Farbigkeit.

Früher Wunsch und konsequente Umsetzung

Für sie selbst begann dieser Weg schon sehr früh. Bereits zur Schulzeit entstand der Wunsch, Kunst zu studieren. Diesen Wunsch setzte sie 1973 mit dem Studium an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf in die Tat um. Ihre Studienzeit bei Professoren wie Richter, Beuys, Götz, Graubner, Rinke und Hüppi prägt sie bis heute. „Die skizzenhaft-intuitiven Arbeiten veränderten sich während der Akademiezeit zur genauen Beobachtung der Realität (…). Meine direkte Umgebung war meine Inspiration und mein Motiv. Menschen tauchten nie mehr in meinen Bildern auf – bis heute.“
Seit 1984 arbeitet Helga Budde-Engelke als freischaffende Künstlerin und Dozentin für Malerei und Zeichnung. Zusammen mit ihrem Mann, dem Künstler Rainer Engelke, führt sie seit 1995 ein eigenes Atelier- und Ausstellungshaus.

Helga Budde-Engelke, Kosmos I
Helga Budde-Engelke, "Kosmos I", 2016. 60 x 60 cm, Acryl- und Ölfarbe auf Leinwand. Vielschichtige Farblasuren kennzeichnen das Werk der Künstlerin.
Helga Budde-Engelke, Kosmos II
Helga Budde-Engelke, "Kosmos II", 2016. 80 x 80 cm, Acryl- und Ölfarbe auf Leinwand. Helga Budde-Engelke arbeitet gern in Bildzyklen.

Zeichnung, Aquarell und Acrylfarbe

Begonnen hat Helga Budde-Engelke mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die aber mit der Zeit farbiger wurden. Auch das Aquarell und die Radierung gesellten sich hierzu. Mit der wachsenden Größe der Arbeiten wechselte die Künstlerin dann aber zur Acrylfarbe. Anfänglich führte sie alle ihre Arbeiten auf Papier aus und verband dabei Aquarell, Acrylfarbe und die Farbstiftzeichnung miteinander. Zunehmend entfernte sie sich aber von der reinen Dokumentation. Außerdem nahmen ihre Arbeiten starke autobiografische Züge an und sie arbeitete in Bilderzyklen.
Helga Budde-Engelke entwickelte eine eigene Mischtechnik, die es Ihr erlaubte, auch kleinste Zeiteinheiten für die künstlerische Arbeit zu nutzen. Dabei legte sie zügig große Aquarellskizzen an, die sie später mit breitem Pinsel mit Acryl überarbeitete.
Als „überzeichnete Malereien“ setzte sie diese dann präzise und ins Detail gehend mit Farbstiften fort. Unter dem Einfluss von Giovanni Battista Piranesi (1720 – 1778), einem für seine Kupferstiche und Radierungen berühmten Architekten, entstanden frei erfundene Architekturmotive.

Helga Budde-Engelke, Treppenlabyrinth
Helga Budde-Engelke, "Treppenlabyrinth", 2019. 80 x 80cm, Acryl gerakelt auf Leinwand. Die Freiheit des Motivs - die Künstlerin arbeitet ungegenständlich - ist ihr sehr wichtig.

Freiheit des Motivs und innere Realität

Heute arbeitet die Künstlerin zwar vorwiegend mit Acrylfarben, aber der transparente Farbauftrag und auch die zeichnerischen Elemente mit Graphitstift und farbigen Kreiden sind geblieben. Noch immer kombiniert Helga Budde-Engelke Malerei und Zeichnung miteinander. Stets aber besteht in ihren Werken auch ein Bezug zur Realität. Einer Realität, die sich aus Erlebtem und Bild gewordenen Erinnerungsfetzen assoziativ zusammensetzt. Helga Budde-Engelke bezeichnet diese innere Realität als ihren konkreten Bezugspunkt. Es ist eine Realität, die auch das Morbide nicht außen vor lässt. Denn Helga Budde-Engelke erlebte den Wandel das Ruhr-Gebiets mit seinen verlassenen Industrieanlagen hautnah. Ihre Kindheitserinnerungen spiegeln sich heute in ihrer expressiven Kunst in rostigen Oberflächen wider.

Helga Budde-Engelke, Pappeln
Helga Budde-Engelke, "Pappeln" 2016. 120 x 120 cm, Acryl, Kreide und Rost auf Leinwand - expressive Kunst mit rostigen Oberflächen als Spiegelbild alter Industrieanlagen.

Vielschichtige Lasuren und expressive Linienführung in der expressiven Kunst

Hinsichtlich ihres bevorzugten Malgrundes hat sie sich vom Papier zu größeren Leinwandformaten weiterentwickelt. Auch das Aquarell ist verschwunden, geblieben ist die Lasurtechnik. Sie arbeitet mit Acryl in vielschichtigen Lasuren – „das Erbe der Aquarellmalerei“. Ihre meditative Zeichnung ist einer expressiven, gestischen Linie gewichen. Und die zwar bereits früh angelegte Farbigkeit in den Farbstiftzeichnungen kann sich nunmehr aufgrund des Materials zu einer „explosiven Farbigkeit“ entfalten. Helga Budde-Engelke liebt den Einsatz von Farbe, die sie sehr bewusst setzt.

„Heute habe ich für mich eine Freiheit in der Kunst gefunden, die ohne die Geschichte dahinter nicht denkbar wäre. Die einzelnen künstlerischen Stationen waren zwingend notwendig für die jeweils folgende Veränderung in Material und Denken.“

Helga Budde-Engelke, Mondlandschaft
Helga Budde-Engelke, "Mondlandschaft", 2018. Acryl auf Acrylglas, 25 x 35 cm

Entwicklung, Malprozess und Ziel

Helga Budde-Engelke ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass eine künstlerische Entwicklung sich immer auch auf dem fruchtbaren Boden vorangegangener Ideen, Bilder und Techniken entwickelt.

„Neue Ideen sind wie Metamorphosen von schon Dagewesenem. Und erst in der praktischen Umsetzung im Atelier beweisen sie ihre Brauchbarkeit. Dann entwickeln sie sich weiter, durchleben eine Evolution.“

Die Künstlerin beschreibt diese Vorgehensweise als einen Prozess, in dem sich herauskristallisiert, ob eine Idee tragfähig ist. Ist dieser Prozess geklärt, weiß die Künstlerin, wo sie hin will. Und kann dann auch „völlig hemmungslos öffentlich malen, vor Publikum“. Sie kann bei der Vorführung auch den so wichtigen Malprozess für Lernende deutlich machen. „Und letztes Ziel sollte eine Authentizität in der Malerei sein, die sich selbstbewusst behauptet gegen jede geschmäcklerische Dekorationskunst.“ Erst dann, so definiert es Helga Budde-Engelke, seien sowohl der Malprozess wie das Ergebnis beglückend.

Helga Budde-Engelke, Swirl Pour
Helga Budde-Engelke, "Swirl Pour", 2018. 24 x 30 cm. (Alle Werke und Fotos, sofern nicht anders angegeben: © Helga Budde-Engelke)

Alles im Fluss – Acrylic Pourin

Eine wichtige, sehr aktuelle Technik, die sie eindrucksvoll in ihren Werken verwendet, ist das Acrylic Pouring. Bei dieser Fließtechnik entwickelt die mit Zusätzen verdünnte Acrylfarbe während des Fließens faszinierende Zellstrukturen. Diese Formen erinnern dabei an die Millefiori-Glaskunst. Ihre Pouring-Bilder bearbeitet Helga Budde-Engelke meist noch mit verschiedenen künstlerischen Techniken weiter. So eröffnet sie damit ein ganz neues Spielfeld an Möglichkeiten, bei dem Zufall und Planung zu etwas faszinierendem Neuem zusammengeführt werden.

Helga Budde-Engelke, Pouring überarbeitet
Helga Budde-Engelke, "Pouring überarbeitet", 2018. 2 x 30 x 24 cm, MATERIAL ??? Bei der künstlerischen Weiterverarbeitung von Pouring-Bildern verbindet die Künstlerin Zufall und Planung.
Helga Budde-Engelke

Helga Budde-Engelke

 
Atelier
Hünninghausenweg 45
45276 Essen
 
info@budde-engelke.de

Kurse und Malreisen

kurse.budde-engelke.de

Die Künstlerin hat neben ihrem Atelier in Essen auch Seminarräume in Mülheim. Dort bietet sie regelmäßig Wochenend-Workshops mit wechselnden Themen an. In diesem Jahr finden zudem gleich mehrere Kurse zum Trendthema Acrylic Pouring statt. 
Neben dem festen Kursangebot kann man nach Absprache auch individuellen Unterricht nehmen.
Sie bietet seit 2010 eigene Malreisen nach Sylt (2 x im Jahr) und nach Dänemark auf die Insel Fyn (1 x im Jahr) an.

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