Acrylfarben 2: Farbqualitäten

Heute sind Acrylfarben aus dem künstlerischen Bereich grundsätzlich nicht mehr wegzudenken. Acrylfarben gibt es in unterschiedlichen Qualitäten und in einer Vielzahl an Farbtönen. Worauf man bei der Auswahl achten sollten und was es für die eigene Malerei bedeutet, erfährst du hier, im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zu Acrylfarben.

Farbqualitäten für viele Möglichkeiten

Acrylfarben sind grundsätzlich einfach in der Handhabung. Es wird ohne Lösungsmittel gearbeitet, weshalb sie annähernd geruchsneutral sind. Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt in ihrer unübertroffen vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeit. Es kann sowohl lasierend und mit der Leichtigkeit, die sonst eher für Aquarellfarben typisch ist, als auch deckend und pastos mit der Leuchtkraft der Ölfarbe gearbeitet werden.
Acrylfarben sind in der Verarbeitung wasserlöslich und erst nach dem Trocknen wasserunlöslich. Sie sind reißfest und haften auf nahezu allen fettfreien Untergründen. Außerdem sind sie sehr lichtecht und alterungsbeständig.

Verschiedene Acrylfarben Studien- und Künstlerqualität
Acrylfarben in Studien- und Künstlerqualität lassen sich problemlos untereinander mischen.

In gute Farbe investieren

Wenn es überhaupt etwas Grundsätzliches gibt, was man zum fast unüberschaubaren Angebot bei Acrylfarben sagen kann, dann dies: Achte schon beim ersten Einkauf auf guten Farben! Damit investierst du das Kostbarste, das du hast: deine Zeit und deine Kreativität. Nichts ist ärgerlicher als ein Werk, dass du als gelungen empfindest und das dann nach dem Trocknen der Farbe an Farbintensität einbüßt.
Dabei ist der Preis nicht immer das entscheidende Merkmal. Er ist lediglich ein Hinweis, da er unter Umständen auf teurere Rohstoffe und auf ein Mehr an Pigmenten verweist. So kann eine kleine Tube hochpigmentierter Farbe unter Umständen „günstiger“ sein als eine große Flasche. Denn diese enthält evtl. mehr Füllstoffen und weniger Pigmente.
Aber Achtung! Wenn im Folgenden von unterschiedlichen Qualitäten der Acrylfarben die Rede ist, meint das nicht billigere oder bessere Farben, sondern unterschiedliche Ausführungen für verschiedene Zwecke und Zielgruppen. Diese Qualitätenbezeichnungen (Basis-, Studien- und Künstlerfarbe) sind leider nicht genormt, aber mit den Hinweisen hier findest du sicher die richtige Farbe für dich.

Acrylfarb-Tuben verschiedener Hersteller (Foto: Frank Schuppelius)

Basis-, Studien- und Künstlerqualität

Die meisten Hersteller bieten Acrylfarben in unterschiedliche Qualitäten an, deren Bezeichnungen allerdings nicht genormt sind. Die Basisqualität, die Studien- oder Akademiequalität und die Künstlerqualität  unterscheiden sich im Wesentlichen in der Menge und in der Qualität der enthaltenen Rohstoffe und Pigmente. Je höher die Qualität, desto höher ist in der Regel der Pigmentanteil und desto niedriger der Bindemittel- und Füllstoffanteil.
Ein Vorteil der hohen Pigmentierung von Farben in Künstlerqualität ist sicherlich die Farbbrillanz. Aufgrund der Pigmentdichte und Pigmentqualität sind höher pigmentierte Farben zudem ergiebiger. Bei einer Verwässerung der Farbe für Lasuraufträge lassen hochpigmentiere Acrylfarben im Vergleich zu einfachen Qualitäten feinere Abstufungen zu und die Farbbrillanz bleibt erhalten.

Praxis-Tipp:

Man kann die unterschiedlichen Qualitäten mischen. Daher bietet es sich z. B. an, für die Grundierung eine einfachere Qualität zu wählen als für die weitere Bearbeitung. Hier spielen natürlich auch das gewählte Bildformat und individuelle Vorlieben im Bereich der Farbigkeit eine Rolle.

Holzkiste mit Acrylfarben in Tuben
Acrylfarben der unterschiedlichen Qualitäten sind untereinander mischbar (Foto: Frank Schuppelius).

Lichtechtheit und Deckkraft der Acrylfarben

Viele Hersteller geben bei den Farben an, in welcher Form die Farbe auftrocknet und inwieweit sie sich nach dem Trocknen verändert, ob sie zum Beispiel eher gelblich auftrocknet. Je höher die Qualität der Farben, desto weniger wird sich der Farbton nach dem Trocknen verändern.

Lichtechtheit

Die Lichtechtheit – also die durch Sonneneinstrahlung bedingte Veränderung bzw. Resistenz einer Farbe – wird von den Herstellern meist auf den Etiketten gekennzeichnet. Die Angabe ist jedoch nicht genormt – was bei dem einen Hersteller die 5 Sterne sind, sind bei einem anderen bereits die 3 Sterne als Angabe für die höchste Lichtbeständigkeit. Zuweilen werden auch andere Codierungen anstelle der Sterne verwendet. Am besten im Fachhandel nachfragen und sich hinsichtlich der verwendeten Symbole beraten lassen!
Tendenziell findet man bei Acrylfarben höherer Qualitäten auch eine höhere Lichtechtheit.

Deckkraft

Ebenso findet man Angaben zur Deckkraft auf den Etiketten der Farben, von deckend über halbdeckend, halblasierend bis hin zu lasierend. In der Regel wird die Deckkraft der Farbe in kleinen Quadraten angeben.

  • gefülltes Quadrat: deckend
  • halb gefülltes Quadrat: halbdeckend
  • leeres Quadrat: lasierend
  • leeres Quadrat mit diagonaler Linie: halblasierend
Angaben zur Lichtechtheit auf einer Tube (hier fünf Sterne = höchste Lichtechheit und gefülltes Quadrad = deckend).
Angaben zur Lichtechtheit auf einer Tube (hier fünf Sterne = höchste Lichtechheit und gefülltes Quadrad = deckend).

Es gibt jedoch auch einige Hersteller, die Buchstaben für die Angaben verwenden, zum Beispiel:

  • DD: deckend
  • L oder T: lasierend /transparent
  • LL oder TT: stark lasierend stark transparent

Durch das Übereinanderlegen von mehreren Lasuren erhält man andere Tonwerte. Diese sind auch abhängig von der Reihenfolge der Farbaufträge.
Es gibt ca. 80 verschiedene Farbtöne, die im Handel angeboten werden. Viele davon sind nur lasierend erhältlich.

Konsistenz: Flüssige oder pastose Acrylfarben?

Die sogenannten Heavy Body-Acrylfarben weisen eine kompakte, sehr pastose Konsistenz auf. Mit ihnen kann man modellierend arbeiten, ohne zuvor der Acrylfarbe Strukturmittel hinzufügen zu müssen.
Im Gegenzug gibt es auch sehr dünnflüssige Acrylfarben, die in kleinen Flaschen mit Pipette angeboten werdenund die sich ohne Zugabe von Wasser für Lasur- und Nass-in-Nass-Techniken mit entsprechender Leuchtkraft anbieten.
Grundsätzlich kann man als Einsteiger mit der eher cremigen Konsistenz aus Tuben oder Tiegeln am meisten anfangen, da man hier verschiedene Verarbeitungen möglich sind. Wenn man dann die Arbeitsweise gefunden hat, die einem am besten liegt, kann man fokussierter einkaufen.

Acrylfarben in Kunststofflaschen mit Spritztüllen.
Großvolumige Kunststoffflaschen enthalten gegenüber den Tubenfarben flüssigere Acrylfarben. (Foto: Frank Schuppelius)

Acrylfarben in Tuben oder Flaschen?

Im Handel werden Acrylfarben zudem in unterschiedlichen Gebinden angeboten. Es gibt sie in Tuben aus Aluminium und Kunststoff, Kunststoffflaschen und Plastikbehältern.
Die Tubenfarben weisen zumeist eine eher cremige Konsistenz auf. Die Größen der Gebinde variieren hier je nach Hersteller zwischen 20ml, 35ml, 129ml, 200ml bis 350ml.
In den häufig weichen Plastikflaschen mit einer Spritztülle erhält man eher flüssige Farben.
Außerdem gibt es Plastikbehälter in verschiedenen Größen, die sich immer dann anbieten, wenn man mit großen Flachpinseln die Farben direkt auf einen großflächigen Bildgrund arbeiten möchte. Die häufig verwendeten Größen sind hier 250ml, 500ml und 1000ml.

Praxis-Tipps:

Deckender Auftrag mit lasierender Farbe:

Für einen deckenden Farbauftrag ohne Aufhellen der lasierenden Farbe setzt man Titanweiß auf den Malgrund, lässt dieses Trocknen und erst danach setzt man den lasierenden Farbton darüber. Auf diese Weise bleibt die Leuchtkraft der lasierenden Farbe erhalten.

Lasierender Auftrag mit deckender Farbe:

Ein deckender Farbton wiederum wird unter Zugabe von Wasser oder eines Verdünners zum lasierenden Ton, je nachdem, ob man eine flüssige oder cremige Konsistenz erhalten möchte. Wichtig zu wissen: Lasierende Farbtöne können durch die Zugabe von Titanweiß aufgehellt werden. Sie werden dadurch deckend, aber eben auch heller. Legt man mehrere Farbschichten der gleichen Farbe übereinander, vertieft sich der Tonwert.

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Eine Antwort auf „Acrylfarben 2: Farbqualitäten“

  1. Guten Morgen,
    es ist sehr wichtig, die eigenen Farben gut zu kennen, so beugt man Enttäuschungen aufgrund des Materials vor. Mit Material- und kleiner Farblehre beginne ich in der Regel auch meine Workshops.
    Danke für euren guten Überblick über die Acrylfarben.
    Ein schönes Osterfest wünscht euch,
    Susanne

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