Acrylfarben 3: Malgründe und Grundierungen

Für die Acrylmalerei können die unterschiedlichsten Maluntergründe verwendet werden. Die Farbe haftet auf nahezu allen fettfreien Oberflächen. Die Wahl des Bildträgers hängt letztlich von verschiedenen Faktoren ab. Wenn man beispielsweise mit Strukturpassten oder Collageteilen arbeitet, wird man einen festeren und stabileren Bildträger benötigen als wenn man die Acrylfarben lasierend aufträgt. Als Faustregel gilt hier: Je schwerer die aufgetragenen und verwendeten Materialien, desto stabiler sollte der Malgrund sein!

Malgründe für die Acrylmalerei

Keilrahmen

Der am häufigsten verwendete Maluntergrund für Acrylmaler ist die auf einen Keilrahmen gespannte Leinwand. Der Vorteil der handelsüblichen Keilrahmen ist, dass die Leinwand hier meist bereits mit einem Kreidegrund grundiert ist. Man kann also sofort mit der Arbeit beginnen und muss den Untergrund nicht vorbehandeln.
Keilrahmen werden in diversen Formaten und mit unterschiedlichen Rahmenstärken im Fachhandel angeboten.

Acrylfarben 3: Malgründe
Verschiedene, für Acrylfarben geeignete Malgründe. Von unten: ungrundierte Leinwand, doppelt starke, dreifach grundierte Leinwand, normal starke dreifach grundierte Leinwand, mit Leinwand bezogene Malplatte. (Foto: Tina Bungeroth)

Woran erkennt man Qualität?

Bei minderwertigen Keilrahmen kann es vorkommen, dass sie sich mit der Zeit verziehen. Dann bleibt nur das erneute Aufziehen der Leinwand. Das ist aufwendig und kostet Geld und Nerven. Besser also gleich auf Qualität zu achten!
So erkennt man einen guten Keilrahmen:

  1. Das Maltuch sollte nicht auf dem Rand, sondern auf der Rückseite festgetackert sein. So ist der Rahmen stabiler. Außerdem bietet sich dadurch die Möglichkeit, die Rahmenseiten in die Gestaltung mit einzubeziehen.
  2. Das Maltuch sollte ein Gewicht von von mindestens 300g/m² haben.
  3. Der Keilrahmen sollte aus mehrfach verleimten Holzleisten bestehen. Diese halten der Feuchtigkeit und dem Gewicht von Farbe und Strukturmitteln besser stand.

Wenn man bereits im Vorfeld weiß, dass man mit dicken Farbschichten und Strukturmitteln arbeiten möchte, sollte man sich für einen extra starken Keilrahmen aus hochwertigem Holz mit entsprechender Dicke entscheiden. Dies gilt auch für großformatige Werke.

Acrylfarben 3: Malgründe, Keilrahmenrand mit bemalt
Hier wurde der seitliche Rand der Leinwand in die Bemalung mit einbezogen. Eine Rahmung ist so nicht erforderlich. Außerdem kann so bei sehr starken Keilrahmen ein dreidimensionaler Effekt entstehen. (Foto: Tina Bungeroth)
Acrylfarben 3: Malgründe, Farbspuren auf dem Keilrahmenrand
Besonders bei einer relativ flüssigen Malweise ergibt es sich fast von selbst, dass auf dem Rand des Keilrahmens Farbspuren sichtbar werden. Dies wirkt spontan und dokumentiert die Arbeitsweise. (Foto: Tina Bungeroth)

Die Leinwand

Beim Maltuch hat man die Wahl zwischen verschiedenen Körnungen von ganz fein bis sehr grob und zwischen Leinen- oder Baumwollgewebe. Die Wahl der Körnung hängt vom Malstil ab. Für kleine feine Details ist z. B. eine feine Körnung geeignet.
Falls das Maltuch einmal an Spannung verliert, findet man beim Keilrahmen mitgelieferte kleine Holzkeile aus Hartholz, die man mit einem kleinen Hammer in die bereits vorgefertigten Schlitze auf der Rückseite des Keilrahmens schlägt und ihn so nachspannt.
Mittlerweile werden auch die unterschiedlichsten Formate im Handel angeboten. Möchte man dennoch ein anderes Format verwenden, kann man seinen Keilrahmen auch selbst herstellen: Dazu spannt man Rohleinen oder Baumwollgewebe auf einen Holzrahmen. Allerdings muss man hier auch die Grundierung selbst vornehmen. Hierzu kommen wir später.
Ein Vorteil von Keilrahmen ist, dass man später sehr leicht eine Aufhängung befestigen kann. Der Fachhandel bietet hierfür entsprechende Schrauben mit Drahtseil bzw. Ringaufhänger an. Zudem ermöglicht der Keilrahmen auch das Arbeiten an der Staffelei, falls man nicht zu dünnflüssigen Farbaufträgen neigt.

Acrylfarben 3: Malgründe, Leinwand von hinten mit Spannkeilen
Ein Keilrahmen von hinten mit Spannkeilen. Die Leinwand sollte, wie hier, auf der Rückseite des Rahmens befestigt sein und nicht an den Seiten. Mit den kleinen Spannkeilen aus Holz kann die Leinwand bei Bedarf nachgespannt werden. (Foto: Tina Bungeroth9

Malpappen

Malpappen eignen sich für den Einstieg sehr gut, da sie günstiger sind als Keilrahmen. Allerdings ist man hierbei im Format beschränkt. Größere Formate verbiegen sich aufgrund der Feuchtigkeit zu leicht.
Malpappen bestehen aus Graupappen, die mit grundiertem Maltuch verleimt wurden. Sie weisen eher eine geschlossene Oberfläche auf. Mit pastosen Arbeitstechniken und einer ölmalereiähnlichen Arbeitsweise wird man in den Malpappen gute Malgründe vorfinden.

Malplatten

Alternativ und eher für reliefartige Arbeitstechniken bestimmt sind die leinwand- oder papierkaschierten Malplatten. Die recht stabilen Platten bestehen aus Span-, HDF- oder MDF-Platten und weisen in der Regel eine Dicke von 4 mm auf. Sie werden in verschiedenen Formaten und Formen angeboten und sind besonders für den Einsatz von Strukturmitteln und schweren Collagematerialien geeignet. Im Vergleich zu den Keilrahmen sind sie günstiger und daher für eine Erstausstattung ebenfalls gut geeignet.

Acrylfarben 3: Malgründe, Malplatte von hinten
Eine Malplatte von hinten. Man erkennt die umgeschlagene und auf der Rückseite verklebte Leinwand, die mit Papier kaschiert ist. (Foto: Tina Bungeroth)

Acrylpapier

Acrylpapier wurde speziell für die Acrylmalerei entwickelt. Die Farben schlagen bei diesem Papier nicht durch. Allerdings weist Acrylpapier gegenüber der Leinwand eine stärkere Saugfähigkeit auf. Ein Vorteil ist, dass sich beim Trocknen der Farben nicht wellt und auch mehrere Farbaufträge zulässt. Das Spezialpapier weist eine Leinenprägung auf, es ist mehrfach verleimt und wird im Handel in verschiedenen Größen entweder als loser Bogen oder als rundum verleimter Malblock oder von der Rolle angeboten.
Acrylpapier ist verhältnismäßig formstabil. Möchte man jedoch in einem größeren Format arbeiten, so empfiehlt es sich, das Acrylpapier auf einen stabilen Untergrund aufzuziehen. (( link www.youtube.com Acrylmalerei Tipps und Tricks: Papier nass aufziehen ))
Der Vorteil aller oben genannten Bildträger gegenüber Keilrahmen ist sicher die komfortable und platzsparende Lagerung fertiger Bilder. Der Nachteil ist die Hängung der fertigen Werke, die ohne Rahmen kaum möglich ist.

Weitere Untergründe

Acrylfarben haften auf nahezu allen fettfreien Oberflächen, also auch auf Holz, Beton, Stein, Kunststoffen, Glas und Metall, um nur eine Auswahl zu nennen. Allerdings gilt grundsätzlich, dass stark saugende Untergründe vorbehandelt werden müssen, um die Saugfähigkeit einzuschränken und um eine neutrale gleichmäßige Oberfläche zu erhalten. Auch kann man mit einer Grundierung die Griffigkeit einer glatten Oberfläche erhöhen, sodass die Acrylfarben besser auf ihr haftet.

Holz

Holzuntergründe in Form von Sperrholz- und Presspanplatten, aber auch Fundstücke aus Massivholz, bilden eine reizvolle und vor allem formstabile Alternative zu handelsüblichen Bildträgern. Zudem lassen sich mit einem wasserfesten Kleber Acrylpapiere sowie Maltuch aufziehen, das dann mit Kreidegrund (Gesso) grundiert wird.
Fundstücke aus Massivholz sollte man vor der weiteren Bearbeitung gründlich reinigen und lose Teile abbürsten. Auch hier verhindert beispielsweise eine dünn aufgetragene Schicht Primer, dass der Untergrund zu stark saugt. Zudem schafft der Primer einen neutralen einheitlichen Weißton, auf dem ein anschließend vorgenommener Farbauftrag zu leuchtend klaren Farben führt.

Acrylfarben 3: Malgründe, Grundieren einer Holzplatte
Auch Holzplatten sind für die Bemalung mit Acrylfarben geeignet. Allerdings sollten auch sie grundiert werden, um die Farben nicht zu stark aufzusaugen und einen gleichmäßigen Farbauftrag zu ermöglichen. (Foto: Frank Schuppelius)

Beton

Betonuntergründe oder Putzflächen seien hier als Beispiel für stark saugende Untergründe aufgeführt, bei denen einen Vorbehandlung mit Tiefengrund dazu führt, dass das Trägermaterial quasi imprägniert ist und ein späteres Durchschlagen der Farbe verhindert wird. Danach kann man mit einer Grundierung oder mit Strukturmaterial den weiteren Materialaufbau vornehmen.

Grundierungen

Acrylfarben haften an sich auf nahezu allen Untergründen auch ohne Vorbehandlung. Darin unterscheiden sie sich wesentlich von den Ölfarben. Dennoch macht eine Grundierung oftmals Sinn. Dadurch erhält man einen gleichmäßig glatten, weißen oder farbig getönten Untergrund. Gleichzeitig spart man Farbe, da diese nicht so tief in den Malgrund dringt, und erhält eine griffige Oberfläche, auf der die Farbe gut haftet.
Grundierungen werden auch immer dann eingesetzt, wenn Untergründe zu glatt sind und daher keine optimale Farbanhaftung gewährleisten. Mit einer Grundierung versiegelt man die Oberflächen des Malgrundes.
Im Übrigen kann man sie auch zum Abdecken von misslungen Werken verwenden, um diese anschließend zu übermalen .

Acrylfarben 3: Malgründe, links dreifach grundierte Leinwand, rechts ungrundiert
Leinwände im Vergleich: links dreifach grundiert, rechts ungrundiert. (Foto: Tina Bungeroth)
bemalte Keilrahmen
Bemalte Untergründe. Unten: ungrundierte, daher stark saugende Leinwand; Mitte: Holzkörper als Bildträger; oben: Der Rand des Keilrahmens wurde in die Bemalung mit einbezogen. (Foto: Britta Sopp)

Gesso

Gesso ist eine Halbkreide-Grundierung und wird verwendet, um einen sehr ebenmäßigen Farbauftrag zu erzielen. Diese Art der Grundierung führt zu einer griffigen Oberfläche und kann bei Bedarf ähnlich wie Primer auch mit Farbe eingefärbt werden. Auf diese Weise erhält man abgetönte Grundierungen mit guter Farbhaftung. Gesso wird im Fachhandel in Reinweiß und Transparent angeboten. Man trägt die Gessogrundierung mit einem weichen flachen Borstenpinsel auf. Auch Schaumstoffrollen sorgen für eine flächendeckende und porentiefe Grundierung.

Primer

Primer kann man dann als Universal-Grundierung vielseitig einsetzen. Er „sperrt“ den Untergrund ab und er sorgt gleichzeitig für eine gute Haftung der Farbe auch bei nichtsaugenden Untergründen wie Metall oder Glas. Außerdem verleiht Primer dem Untergrund einen glatten matten Weißton. Er bringt dadurch die später aufgetragenen Acrylfarben sehr klar und leuchtend zur Geltung. Dies spielt immer dann eine Rolle, wenn der gewählte Malgrund über eine dominante Eigenfarbigkeit verfügt. Man trägt den Primer mit einem weichen Borstenflachpinsel oder bei großflächigen Untergründen mit der Schaumstoffrolle auf und kann ihn auch verdünnen. Wie Gesso kann der Primer mit Acrylfarben abgetönt werden.

Tiefgrund

Tiefgrund verwendet man für sehr stark saugende Untergründe wie Beton, Putz oder Gips. Er wird vor der Grundierung aufgetragen und soll helfen, Mehrfachanstriche zu vermeiden. Tiefengrund gibt es als Acryldispersion lösemittelfrei, also wasserverdünnbar und ohne Weichmacher. Nach dem Trocken ist er wasserfest und farblos.

Acrylbinder

Acrylbinder dient, wie der Name schon sagt, in der Acrylfarbe als Bindemittel. Er kann mit Wasser verdünnt in mehreren Schichten als Grundiermittel auf die Leinwand aufgetragen werden. Acrylbinder ergibt eine sehr elastische, stoßunempfindliche Oberfläche und er sorgt dafür, dass die Acrylfarbe auf dem Malgrund gut haftet.

Richtig grundieren

Für alle Grundierungen gilt, dass sie dünn und gleichmäßig aufgetragen werden sollten. Nur so bleibt eine elastische Oberfläche gewährleistet.
Vor jedem erneuten Auftrag und auch vor dem weiteren Farbauftrag sollte die Grundierung komplett durchgetrocknet sein. Eine flächendeckende Grundierung lässt sich am einfachsten durch vertikales, horizontales und diagonales Auftragen erzielen. Wieviele Grundierschichten man aufträgt, ist auch abhängig vom Trägergrund, üblich sind zwei bis fünf Schichten. Richtet Euch hier auch nach den Angaben der Hersteller.
Die Grundierung sollte die Poren des Maltuchs komplett und gleichmäßig schließen. Sollte es doch einmal zu einer Ansammlung der Grundierung kommen, kann man diese nach dem Trocknen mit feinem Schmirgelpapier vorsichtig abschleifen.
Ob man sich für eine transparente, weiße oder farbige Grundierung entscheidet, steht auch in Anhängigkeit von der späteren gewünschten Farbwirkung. Mit farbiger Grundierung kann man die Grundfarbigkeit eines Werkes dahingehend steuern und beeinflussen, als Farben später leuchtender, wärmer oder kühler in ihrer Wirkung daherkommen.

KUNSTSCHÖN KOSTENLOS ABONNIEREN

Mit dem Email-Abonnement verpasst du keinen neuen Beitrag mehr! 

Mehr Informationen zum Abonnieren

Mehr über KUNSTschön und unsere Themen 

Lies auch:

Acrylfarben Palette Borstenpinsel

Acrylfarben 1:

Ein Überblick

Verschiedene Acrylfarben in Tuben, Flaschen und Tiegeln.

Acrylfarben 2:

Farbqualitäten

Pinsel Malerei

Atelier-Tipp: Künstlerpinsel

So findet man den richtigen Pinsel

Anke Gruss Faszination Licht Stadtbild grelles Kunstlichter

Die Faszination des Lichts

Die Malerin Anke Gruss im Gespräch

Behalte es nicht für dich. Teile!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Hiermit akzeptierst du die Datenschutzbedingungen (DSGVO).

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.