Innere und äußere Landschaften

Die Suche nach der Räumlichkeit und dem Leuchten der Farbe treibt die Künstlerin Tania Strickrodt um. Sie arbeitet mit verschiedenen Untergründen und ihr Duktus ist direkt. Er hält die Bewegung im Moment fest: „Alles ist wichtig. Malen ist eine andere Form des Denkens, aber das Auge ist korrupt“.

Die Künstlerin Tania Strickrodt im Gespräch

Tania Strickrodts großformatige, intensive Ölbilder, aber auch ihre Zeichnungen und Monotypien, erzählen von inneren und äußeren Landschaften. Ihre kraftvollen und ausdrucksstarken Arbeiten bilden den Moment ab, den sie mit schwungvollen Bewegungen auf die Leinwand bringt. Flirrende Szenerien und sich scheinbar auflösende Formen in delikaten Farbkompositionen bestimmen das Bild. In Tania Strickrodts Werk spielen sich überlagernde Farbschichten eine ebenso große Rolle wie das Thema Schönheit der Linie, das in ihren Studien und Zeichnungen den Schwerpunkt bildet.

Strickrodt Ausschnitt Ausstellung
Die Schönheit der Linie fasziniert die Künstlerin schon seit ihrer Studienzeit. (Foto: Tania Strickrodt)

Frühe und nachhaltige Vorbilder

„Ich male, um vom Leben berührt zu werden.“
Bereits im Elternhaus wurde bei Tania Strickrodt der Zugang zur Kunst gelegt, denn ihre Mutter war Bühnenbildern. Tania Strickrodt absolvierte das Studium für Grafik Design mit dem Schwerpunkt freie Grafik und freie Kunst in Hannover und Krefeld.
Auf die Frage nach Erlebnissen, die sie in ihrem Werdegang besonders geprägt haben, antwortet die Künstlerin gleich mit einem Dreiklang: 

  • die Sehnsucht nach Räumlichkeit und die Sinnlichkeit der Farbe bei Prof. Bukowski (dessen Meisterschülerin Tania Strickrodt war),
  • der Humor, die Kunst des Weglassens und der hintergründigen Zeichnungen bei Tone Fink und
  • die Schönheit der Linie bei Prof. Burkard und Prof. Vogel.
Ölbild hell-dunkle Bildkomposition
In ihren Bildern malt die Künstlerin Licht und setzt Dunkelheit und Farbkontraste dagegen. (Foto: Tania Strickrodt)

Von Gegenständlichkeit bis Abstraktion

In Tania Strickrodts Arbeiten begegnet dem Betrachter sowohl die Abstraktion wie die gegenständliche Darstellung, etwa im sehr persönlichen Ausdruck der Zeichnung oder Monotypie. In der Druckgrafik erarbeitet die Künstlerin momentan das Thema Zwischenmenschliches. Zeichnungen und Monotypien, die beeinflusst sind durch die machtvollen Erlebnisse von Geburt und Tod sowie vom Konflikt konträrer Emotionen. Farbe ist für die Künstlerin in ihren Arbeiten essenziell:

„Die Macht der Farbe liegt in ihren Zwischentönen und in der Gegenüberstellung der leuchtenden Klarheit.“

abstraktes Ölbild Landschaft Rosé- und Auberginetöne
Die Macht der Farbe liegt für Tania Strickrodt in den Zwischentönen. (Foto: Tania Strickrodt)

Dem Rätselhaften auf der Spur

Tania Strickrodt möchte mit ihren Arbeiten wachsen können: „Mit dem Duktus des Pinsels und in der körperlichen und inneren Bewegung lässt sich alles ausdrücken“. In ihrer Malerei kreiert die Künstlerin Licht und setzt Dunkelheit dagegen, die wiederum durch farbige Transparenz gebrochen wird. Das Rätselhafte der Arbeiten erschließt sich erst auf dem zweiten Blick – alles scheint in Bewegung und kurz vor der Auflösung der Formen zu stehen. Tania Strickrodts Bilder erfordern die Aufmerksamkeit des Betrachters – er kann und soll verweilen und sich einlassen. Die Zeichnung wiederum ist für die Künstlerin die Essenz eines Themas:

„Meine Zeichnungen sind ein unmittelbarer und nicht korrigierbarer Ausdruck. Mit einem Strich lassen sich alle Emotionen bündeln.“

Tania Strickrodt beim Malen
Tania Strickrodt beim Malen (Foto: Florian Althans)

Authentisch und emotional

Es ist ihr wichtig, in ihren Werken authentisch zu sein. „Kunst ist nur wirklich, wenn sie der eigenen Wahrheit entspricht. 
Tania Strickrodt muss sich nach eigener Aussage persönlich und subjektiv mit dem gewählten Thema verbinden. Nach langen Spaziergängen trägt sie die Landschaften in sich, sie sieht dann den Rhythmus und die Farben, die Weite und die Enge. Um dann anschließend in ihrem Atelier „mit der Räumlichkeit und der Bewegung der Farbe zu tanzen.“ Mit leidenschaftlich und ausgreifenden Schwüngen bringt sie die Farben auf die Leinwand. Man glaubt es ihr sofort, wenn sie sagt:

„Malerei ist mein Motor,
meine Leidenschaft,
meine Essenz.“

Das Atelier Tania Strickrodt
Atelieratmosphäre bedeutet für die Künstlerin das Abtauchen in eine emotionale Welt. (Foto: Tania Strickrodt)

Kunst bedeutet atmen

Tania Strickrodt arbeitet sehr komprimiert und in intensiven Malaktionen. Feier Raum, Zeit zum Spielen ohne den Zwang, etwas tun zu müssen, lässt die Künstlerin kreativ werden. Kunst bedeutet für sie auch, den Mut zum Wagnis zu haben. Indem man eben ganz offen an ein Werk geht, ohne zu wissen, wie das Ergebnis ausschaut. Nicht zu viel will oder plant. Um sich dann vom Ungeplanten überraschen zu lassen. Die Arbeit im Atelier steht für ein Abtauchen aus der rationalen, funktionellen Welt und das Eintauchen in einen emotionalen, freien Raum. Kunst bedeutet für Tania Strickrodt schlicht und einfach atmen.
Alles, was sie je gemalt hat, ist der Künstlerin wichtig: „Jedes einzelne Bild muss gemalt werden, um eine Erkenntnis für das nächste zu erhalten.“

Ölbilder mit abstrakten Landschaften übereinandergestellt an Wand
Innere und äußere Landschaften in Öl mit flirrenden Oberflächen und übereinander gelagerten Farbschichten. (Foto: Tania Strickrodt)
Tania Strickrodt
(Foto: Florian Althans)

Tania Strickrodt

lebt und arbeitet mit Mann und Sohn sowie zwei Hunden in Krefeld und Zierikzee

Atelier
Wiedstraße 23
47799 Krefeld
hallo@tania-strickrodt

Tania Strickrodt unterrichtet an verschiedenen Kunst-Akademien.
Ihre Kursangebote finden sich auf
www.tania-strickrodt.de

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