Lettering ist wie Yoga: Im Gespräch mit Nina Rötters

Das Leben geht für Nina Rötters bisweilen ganz schön turbulent zu: Mann und zwei Kinder, Haushalt und Beruf halten sie auf Trab. Dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – findet sie Zeit für ihre Kunst: Watercolor und Lettering.

Seit sie einen Pinsel oder Stift halten kann, malt und zeichnet sie. Ihre ersten richtigen Aquarellbuntstifte und ein Kalligrafie-Set, das ihr ihr Vater schenkte, als sie 12 Jahre alt war, legten schließlich den Grundstein für ihre heutige Leidenschaft für Lettering und Watercolor. 
Später, in der Schule, wählte sie selbstverständlich Kunst als Leistungskurs. Hier machte sie auch die ersten intensiven künstlerischen Erfahrungen, denn sie hatte das Glück, von einem Lehrer unterrichtet zu werden, der selbst Künstler ist. https://manfred-nietsch.jimdofree.com/vita/

Rötters Lettering Dont Tell People Your Plans

Inspiration Internet und Museum

Auf das Thema Handlettering, das ihren Stil heute bestimmt, ist Nina Rötters allerdings erst 2016 beim Websurfen gestoßen. Sie war von dieser Art, Buchstaben zu gestalten, so fasziniert, dass sie diese Techniken unbedingt auch beherrschen wollte. Und so ging sie umgehend daran, sich das Lettern mit Hilfe von Videos auf Youtube und Instagram anzueignen. Besonders die Möglichkeit, Emotionen durch die Gestaltung von Buchstaben auf das Papier zu bringen, fesselt sie jeden Tag aufs Neue. 
Inspiration holt sich Nina Rötters zuweilen aber auch auf ganz traditionelle Art: Sie geht ins Museum. Das begann bei ihr schon als Jugendliche, als sie jeden Sommer mit einem Schüler-Ferienpass kostenlosen Eintritt in die Düsseldorf Museen erhielt. So verbrachte sie viel Zeit in der Düsseldorfer Kunstsammlung oder im Museum Ehrenhof und bewunderte dort die Kunstwerke. Am meisten, erinnert sie sich, begeisterte sie eine Ausstellung von Juan Miró begeistert, als sie etwa 12 Jahre alt war.

Rötters Lettering Feder
Lettern mit der Feder ist eine ganz besondere Erfahrung, besonders in Gold und anderen Metallic-Tönen auf dunklem Untergrund.

Nicht einschränken lassen!

So gern Nina Rötters mit Aquarellfarben malt, so ungern möchte sie sich auf eine Technik festlegen. Daher lebt sie ihre Kreativität mit den verschiedensten Materialien und hat neben Aquarell auch Mixed Media für sich entdeckt: Kreidemarker auf Glas oder Tafeln, Acrylfarbe auf verschiedenste Gegenstände, Kugelschreiber auf Servietten und vieles mehr. Lettering, so findet sie, macht auf Gegenständen ebenso viel Freude wie auf Papier.
Pinsel, Marker, Federn, Bleistifte … alles, was Pigmente auf Papier (oder einen Gegenstand) bringt, möchte sie ausprobieren. „Ich lege mich da ungerne fest und probiere gerne neue Techniken aus.“ Auch das Erstellen digitaler Kunstwerke mit dem Tablet bereitet ihr ab und an viel Freude.

Rötters Lettering
Duftig-leichtes Tulpen-Aquarell
Rötters Lettering Katze
Mit Tusche skizzierte und mit Aquarell kolorierte Katze.
Rötters Lettering Katze Pustetechnik
Mit dem Strohhalm "verpustet" und mit dem Pinsel weiter vermalt

Leidenschaft für das Tun

Auf die Frage, was denn an ihrer Technik besonders sei, muss sie nachdenken. „Ich denke nicht, dass meine Techniken sich sehr von anderen Techniken unterscheidet … .“

„Es ist die Leidenschaft für das Tun und die Liebe, die am Ende in meinen Bildern sichtbar sein soll.“

Nina Rötters Boesner-Workshop
Nina Rötters zeigt während eines Boesner-Workshops, wie man eine Aquarelllasur anlegt.

Spontan und impulsiv

„Ich arbeite spontan und bin sehr impulsiv. Wenn ich einen Satz oder ein Zitat höre oder lese, draußen einen schönen Moment erlebe oder etwas Hübsches sehe, setze ich dieses in meiner Kunst um.“ Dabei hat sie meist kein klares Bild von dem im Kopf, was sie zu Papier bringen möchte. Sie legt einfach los:

„Einfach machen.
Mal sehen, was dabei herauskommt.“

Auch tagesaktuelle Geschehnisse finden Eingang in ihre Letterings und Bilder. Daher nutzt sie die Reichweite ihres Instagram-Accounts stickynote.lettering, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die ihr wichtig sind, und Menschen damit zum Nachdenken anzuregen.

Rötters Lettering Globus
Auch auf Objekten macht sich Lettering gut. Hier hat Nina Rötters "Distance means so little when someone means so much." auf einen Globus gelettert.

Atelier Wohnzimmer

Wie eine berufstätige Mutter Familie, Haushalt und Kunst unter einen Hut bringt, scheint mir eines der großen Geheimnisse unserer Zeit. Nina Rötters arbeitet in Teilzeit im Marketing, daher bleiben ihr nur die Abendstunden und das Wochenende für ihre Lettering-Kunstwerke. Oft sitzt sie bis in die Nacht hinein und lauscht beim Lettern einem spannenden Hörbuch. 
Die Familie kommt dabei nicht zu kurz, denn Nina Rötters‘ Atelier ist das Wohnzimmer. Hier bewahrt sie alle ihre Farben und sonstigen Materialien in einem penibel einsortierten Schrank mit integriertem Arbeitsplatz auf. So kann sie mit ihrer Familie zusammen sein UND arbeiten. Perfekt!

Rötters Lettering Workspace
Nina Rötters Atelier im Wohnzimmer: Voll mit den verschiedensten Materialien wartet der Schrank nur darauf, geöffnet und zum Künstler-Atelier zu werden.

Abschalten beim Lettering

Kunst ist für Nina Rötters der Ausgleich zum stressigen Alltag. Beim Lettern und Malen kann sie komplett abschalten und alles Belastende um sie herum ausblenden.

„Das Gestalten von Buchstaben ist für mich
was für andere Leute Yoga ist.“

Und es ist wunderbar einfach: Sie braucht nur ihren Schrank im Wohnzimmer zu öffnen, die gewünschten Farben herauszuholen und es kann losgehen!

Rötters Lettering Home
Nina Rötters: "Home ist where the ART is."

Kreativität im Dornröschenschlaf

Doch obwohl sie mittlerweile genügend Zeit für ihre Kunst findet und diese als entspannenden Stress-Ausgleich erlebt, ging es ihr lange so wie den meisten anderen Müttern: „Meine eigene Kreativität lag einige Jahre im Dornröschenschlaf, weil andere Dinge in meinem Leben absolute Priorität hatten. Nachdem ich vor vier Jahren wieder begonnen habe, fiel es mir am Anfang schwer, Dinge umzusetzen. Mit der Zeit ging es immer leichter.“

Rötters Kafka-Zitat "Man sieht die Sonne ..."

„Kreativität ist wie ein Muskel, 
den man trainieren kann.“

Diesen Muskel hat jeder, davon ist sie überzeugt. Nutzt man ihn häufig, wächst er und lässt das Künstlerische leichter von der Hand gehen. Also nur Mut!
Dass Lettering nämlich gar nicht so schwer ist, zeigt Nina Rötters in ihren Büchern und Workshops. 2018 hat sie es sogar in das Finale des TOPP Star Awards des frechverlags geschafft. Daraus ist dann ihr Buch „Handlettering mit dem Kreidemarker“ entstanden. 
Und wer es persönlicher mag: Auf ihrer website bietet sie zahlreiche Kurse und Workshops an.

Nina Rötters

Nina Rötters

  • verheiratet, zwei Töchter und eine Katze
  • Autorin von Büchern zum Lettering
  • gibt Kurse und Workshops

www.stickynote-lettering.de

Instagram: @stickynote.lettering

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