Mal-Anleitung in Serie: „Monstera-Blätter“ von Angelika Biber

Angelika Bibers Werke entstehen oft in Serie. Dabei kann sie sich mit ihren Motive immer wieder neu auseinandersetzen. Ihre Inspiration kommt meist aus der Natur, Eindrücke ihrer ausgedehnten Spaziergänge durch die Landschaft. Dass dabei genaues Hinsehen immer wieder neue Aspekte offenbart, versteht sich von selbst. Aber auch unterschiedliche Blickwinkel, eine andere maltechnische Herangehensweise oder auch einfach nur die Lust, dasselbe schöne Motiv noch einmal zu malen, motiviert zum Malen in Serie.

Wahrnehmung trainieren

Durch die Kunstgeschichte hindurch haben viele bekannte Maler ein und dasselbe Motiv mehrmals oder sogar immer wieder gezeichnet und gemalt. Dabei haben sie ihren Bildgegenstand jedes Mal aufs Neue genau betrachtet und eingehend studiert. Auch heute wird diese Herangehensweise Malschülern und Kunststudenten empfohlen, um die eigene Wahrnehmung und künstlerische Umsetzung zu trainieren.

Befreit malen auf Papier

Auf Papier lässt sich befreiter arbeiten. Der Untergrund ist glatter als eine Leinwand und es lässt sich deswegen darauf hervorragend zeichnen. Der Anspruch, den man an sich stellt, ist dabei häufig nicht so hoch wie auf Leinwand. Es ist ja „nur“ ein Papier und erweckt eher den Anschein einer „Studie“. Und genau das ist der Punkt. Wir erlauben es uns, bei einer Studie lockerer und spielerischer zu arbeiten. Und nicht zuletzt kann bei Papieren die Komposition durch Beschnitt des Formates geändert werden. Eine sehr gute Übung, um das nächste Mal die Formen noch bewusster ins Format zu setzen.

Du brauchst:

  • Dickes Zeichenpapier 160-200 g/m2
  • Acrylfarben in Farn, Elfenbein, Olivgrün, Hellgrau, Gelbgrün, Paul-Veronese-Grün, Türkisblau, Preußischblau
  • Wasservermalbare Ölkreide (z. B. Woody von Stabilo) in Dunkelgrün, Schwarz
  • Neon-Ölkreide in Grün, Magenta und Violett
  • Linolwalze, 6 cm breit, Schaumstoffwalze
  • Borstenpinsel, 10 cm breit
  • Kalligrafiepinsel oder Aquarellpinsel mit Spitze
  • Colour Shaper flach, 8 cm breit
  • Colour Shaper mit schräger Spitze

Vorgehen

  • Erst mit Walze, Shaper und breitem Borstenpinsel strukturierte Untergründe in den Farben Farn, Elfenbein und Olivgrün anlegen. Je weicher die Strukturen, desto klarer kommt die Blattform in den Fokus. Je kontrastreicher und unruhiger die Struktur, desto mehr tritt das Blattmotiv in den Hintergrund.
  • Mit dem spitzen Colour Shaper können in die feuchte Farbe Linien gekratzt (Kratzzeichnung) werden.
  • Dann mit den unterschiedlichen Stiften die Blattform der Monstera zeichnen. Weitere Linien in anderen Farbtönen können spielerisch daneben gekritzelt werden.
  • Dann mit Lasuren (verdünnte Acrylfarbe) und einem spitzen Haarpinsel die Blattformen bemalen, dabei nicht zu exakt arbeiten, sondern locker Flächen setzen.

Das Bild in Serie:

Angelika Biber, Monstera 1

1 Hier läuft das Blatt von rechts oben nach links unten in das Bildformat. Mit dem schwarzen Woody wurden weitere lineare Akzente in den Umraum gezeichnet.

Angelika Biber, Monstera 2

2 Durch das Lasieren mit Preußischblau links neben dem Blatt erhält diese Arbeit Tiefe, der Hintergrund auf der linken Seite wirkt dadurch diffus und etwas verschwommen.

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Angelika Biber, Monstera 3

Etwas mehr Spannung erhält die Arbeit durch die Anordnung verschieden großer Blätter. Durch das schräge Hineinsetzen des Motivs wirkt die Komposition etwas dynamischer.

Angelika Biber, Monstera 4

4 Auch hier ist das Blatt schräg hineingesetzt und dazu auch noch größer. Sofort wird das Motiv dominanter im Bildraum. Die Hintergrundfläche erhält mit der Linolwalze zusätzlich eine türkisblaue Struktur.

Angelika Biber, Monstera 5

5 Die Anordnung der Blätter ist ähnlich wie bei Nr. 4, durch die türkisblaue Struktur links oben wirkt diese Arbeit aber lebendiger.

Angelika Biber, Monstera 6

6 Eine schöne Tiefenwirkung hat diese Arbeit. Durch das Platzieren der türkisblauen Farbe links oben und dem Bemalen des Blattes in einem leuchtenden Gelbgrün tritt die Monstera als Hauptmotiv nach vorne.

Angelika Biber, Monstera 2 groß
Durch den spielerischen Umgang mit Farbe, Struktur und Linie entstehen locker-leichte Arbeiten. Die Schichten werden zum Teil durchlässig aufgetragen, d. h. die unteren Schichten bleiben sichtbar. Dies trägt zur lockeren Anmutung bei.
Angelika Biber beim Malen

Angelika Biber

  • freischaffende Künstlerin und Dozentin in ihrem  Atelier ART FACTORY in Köln-Dünnwald
  • kunstpädagogische Projektmitarbeiterin bei verschiedenen Bildungsträgern
  • Autorin mehrerer Bücher zur experimentellen Malerei

www.atelier-farbraeume.de

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2 Antworten auf „Mal-Anleitung in Serie: „Monstera-Blätter“ von Angelika Biber“

  1. Ich mag deine Farbpalette sehr gern und die Artikel auf kunstschoen sind immer abwechslungsreich und bereichernd! So frische Leichtigkeit .. mich faszinieren hier die Neon Ölpastelle. Bin inspiriert es auch damit zu versuchen. Liebe Grüße aus Schweden!

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