Nachhaltig malen

Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren in aller Munde, sei es bei Verpackungen, Kleidung, Energieverbrauch und vielem mehr. Dass Nachhaltigkeit aber auch das Malen und das kreative Schaffen betrifft, ist noch nicht bei vielen angekommen.

Kleine Dinge, große Wirkung!

Angelika Biber, Künstlerin, Workshop-Dozentin und Autorin, jedoch ist sich des Dilemmas von für Künstler lebensnotwendiger Kreativität und daraus resultierendem Ressourcenverbrauch sehr bewusst. Seit jeher haben wir Menschen das Bedürfnis, uns künstlerisch auszudrücken. Wenn wir nicht malen, zeichnen oder in einer anderen Form kreativ sein dürften, würden wir verkümmern. Das Kreativsein aufzugeben ist also keine Option.
Daher sucht Angelika Biber nach Lösungen, wie sie schöpferisch arbeiten kann, ohne unnötigen Müll zu produzieren. Manchmal sind es schon Kleinigkeiten, die nicht wehtun, aber auf Dauer und in der großen Masse schon etwas bewirken. Hier kommen ein paar dieser kleinen Dinge, die sie praktiziert, um Müll zu reduzieren:

Einweg-Handschuhe, Küchenpapier oder Pappteller

Solche Dinge benutzt Angelika Biber so gut wie nie. Hände waschen, alte Geschirrhandtücher, alte T-Shirts oder leere Kunststoffverpackungen, die sowieso schon vorhanden sind, erfüllen ebenso den Zweck und können mehrfach verwendet werden.
Als Palette braucht man nicht jedes Mal einen frischen Papp- oder Kunststoffteller oder gar die im Handel angebotenen Einwegpaletten. Stabile Deckel von Wandfarben- oder Acrylbinder-Eimern sind sehr strapazierfähig und können auch mit wässrigen Lasuren benutzt werden, ohne aufzuweichen. Auch eine alte Glas- oder Plexiglasplatte ist sehr gut als Palette geeignet. Denn wenn der Einwegbecher beim morgendlichen Kaffeeholen verpönt ist, warum nicht auch der Einweg-Mal-Paletten-Papp-Teller?

Nachhaltig malen: Mallappen statt Küchenpapier
Der Mallappen statt Zewa, mehrfach verwendbar! (Foto: ©Markus Jung)

Schon vorhandene Werkzeuge verwenden oder zweckentfremden

Man braucht nicht immer die allerbeste Künstlerqualität, auch schon vorhandene Werkzeuge können gut für die Malerei eingesetzt werden. Spülbürsten, Gummiabzieher aus dem Baumarkt oder Topfschwämme halten lange und viel aus. Mit Resten von weißer Wandfarbe kann man Bilder grundieren. Ein Gemisch aus Spülmittel und Sonnenblumenöl kann das Lösungsmittel für Ölfarbe ersetzen. Keine Gewähr – hier ist Ausprobieren gefragt!

Farbe feucht halten für den nächsten Maltag

Für große Leinwände braucht man viel Farbe. Aber manchmal kann man nur schwer abschätzen, wie viel genau. Wenn also Farbreste auf der Palette zurückbleiben, kann man diese z. B. mit der Verpackungsfolie von neuen Leinwänden einwickeln. Und wenn Angelika Biber länger nicht zum Malen kommt, sprüht sie mit der Sprühflasche noch ein wenig Wasser auf die Palette. So bleibt die Acrylfarbe ein paar Tage lang feucht und vermalbar.

Tipp:
Wenn man feuchte Farbreste von der Palette entfernen muss, sollte man den größten Teil der Farbe erst mit einem alten Lappen oder Schmutzpapier abwischen, bevor man die Palette abwäscht. So gerät weniger Acrylfarbe in den Ausguss.

Mit Oberflächen arbeiten, die überarbeitet werden können

Angelika Biber arbeitet seit vielen Jahren künstlerisch, und so hat sich eine Menge bemalter Leinwände bei ihr angesammelt. Daher benutze sie seit einiger Zeit nur noch sehr selten eine ganz frische Leinwand.
In den überwiegenden Fällen recycelt sie alte Bilder: Bilder die überholt sind, weil sie an einem anderen Punkt in ihrer Entwicklung steht, oder auch Bilder, bei denen sie nichts wirklich Neues herausgearbeitet konnte oder bei denen es sich um eine Wiederholung früherer Arbeiten handelt. Solche Bilder kann sie gut wieder ziehen lassen und als Basis für eine neue Gestaltung verwenden.

Tipp:
Wenn man häufig alte Bilder wieder übermalt, sollte man auf Firnis verzichten. Denn auf einem sehr glatten, versiegelten Untergrund ist es schwer, wieder eine saugfähige Grundierung zu schaffen. Am besten geht dies mit dünnen Schichten weißer Wandfarbe.

Nachhaltig malen, alte Leinwände als Malgrund
Bereits bemalte Leinwände geben einen wunderbaren Untergrund für neue Bilder ab. Sie haben schon Struktur und Farbgebung, die in die neue Komposition einfließen und ihr ein weitere Dimension geben kann. (Foto: © Hannah Jungbluth)

Materialien gut pflegen

Wenn man mit Pinseln, Spachteln & Co. gut umgeht, hat man definitiv länger etwas davon. Nach dem Malen sollte man auf jeden Fall die Pinsel auswaschen und andere Werkzeuge reinigen – bevor die Farbe getrocknet ist. Denn ist Acrylfarbe einmal angetrocknet, kann man den Pinsel nicht mehr verwenden. Und das ist gar nicht nachhaltig!

Nach dem Waschen legt man die Pinsel zum Trocknen auf ein altes Frotteehandtuch. Nicht mit der Pinselspitze nach oben in ein Glas stellen, weil sonst die Feuchtigkeit in die Zwinge zieht und das Holz darin aufquellen kann. So fallen die Pinselhaare schnell aus und der Pinsel wird unbrauchbar. Und schon gar nicht mit der Pinselspitze nach unten hineinstellen, weil sich sonst die Pinselhaare dauerhaft verbiegen können!

Nachhaltig malen, Pinsel reinigen
Wer Pinsel und andere Werkzeuge regelmäßig reinigt, hat länger Freude an ihnen. Und was ist nachhaltiger, als Dinge lange und immer wieder zu verwenden?! (Foto: © Steve Johnson on Unsplash)

Hin und wieder auf Papier malen

Für Angelika Biber eine Spielwiese: auf Papier arbeiten. Dabei verbraucht man weniger Material als bei der Verwendung von Keilrahmen und es braucht weniger Platz bei der Lagerung der fertigen Bilder. Zudem kann man sich auf Papier austoben, denn es ist ja „nur“ ein Papier.
Man kannst es wunderbar beschneiden, um die Komposition zu verändern, oder es ganz in Stücke schneiden, um Karten, Lesezeichen etc. daraus zu machen (falls es im Ganzen nicht gelungen erscheint). Außerdem kann man es später als Collagematerial auch in Acrylbilder integrieren.

Materialien sammeln und in Collagen einbinden

Manche Teilnehmer von Angelika Bibers Workshops bringen regelrechte Schatzkästchen mit: Die Sammlungen besonderer Papiere, alte Dokumente oder Zeitungsauschnitte können wunderbar in Collagen eingesetzt werden.
Auch selbstgemachte Skizzen erfreuen Angelika Biber zweimal: Einmal, wenn sie sie zeichnet und ein zweites Mal, wenn sie einen Platz in einem ihrer Bild finden. Auch gemusterte oder strukturierte Stoffe lassen sich prima einarbeiten.

Selbst machen und erst anrühren, wenn nötig

Strukturgründe können aus natürlichen Materialien mit Acrylbinder (oder weißer Wandfarbe, wenn die Strukturmasse weiß sein soll) selbst hergestellt werden: Sand, Asche oder farbige Erden sind Struktur und erste Farbgebung zugleich. Und weil man solche Massen erst anmischt, wenn diese Untergründe benötigt werden, wird auch nichts schlecht oder fest.

„Ich freue mich über alles, was ein zweites Leben bekommt!“

Danke Angelika!
Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von Angelika Biber aufwww.atelier-farbraeume.de. Mit ihrer freundlichen Erlaubnis haben wir ihn hier leicht verändert noch einmal gepostet.

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Was tust du, damit deine Kunst nachhaltig ist? Wie sparst du Farbe und Material ein? Verwendest du Dinge wieder oder mehrfach und wie machst du das?
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Denn auch kleine Dinge machen die Welt ein bisschen besser!

Angelika Biber beim Malen

Angelika Biber

  • freischaffende Künstlerin und Dozentin in ihrem  Atelier ART FACTORY in Köln-Dünnwald
  • kunstpädagogische Projektmitarbeiterin bei verschiedenen Bildungsträgern
  • Autorin mehrerer Bücher zur experimentellen Malerei

www.atelier-farbraeume.de

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Im Gespräch mit Angelika Biber

4 Antworten auf „Nachhaltig malen“

  1. Sehr gut. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich wunderbar auch leere Käse-, Magarine-, Gemüseplastikschalen zum mehrfachen Anmischen von Farbe sehr gut eignen. Nich einfach wegwerfen, wenn sie leer sind.Auswaschen und wieder verwenden.

  2. Beim Nachhaltigen Arbeiten sind die analogen Künstler und bei der Wahl Ihrer Materialien natürlich ein bisschen im Vorteil 😉 Als Digital Artist kann man allenfalls darauf achten, wie sich die Hersteller selbst verhalten, unter welchen Bedingungen die Produkte gefertigt werden oder wie sie sich auch beim Naturschutz engagieren (natürlich kann man das bei Farbmaterial & Co. auch). Und ich schätze, es muss auch nicht jedes Jahr immer das neueste Marken-Pen-Display / Tablet für die Illustrationen sein. Ist ja nun nicht so, dass das aktuelle Gerät plötzlich schlechter wird, nur weil etwas Neues am Markt ist. Wir sind ohnehin schon Wegwerfgesellschaft genug.

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