Vom Glück der Langsamkeit

Was ist Glück? Das zu definieren haben sich über die Jahrhunderte die scharfsinnigsten Denker und Philosophen zur Aufgabe gemacht. Wirklich gelungen sind ihnen dabei nur grobe Annährungen. In seinem Buch „Vom Glück der Langsamkeit“ geht der Maler und Illustrator Quint Buchholz dieser Frage nach. Eine schlussendliche Definition von Glück muss auch er schuldig bleiben, denn schließlich ist Glück individuell, für jeden anders. Vor allem aber, so stellt er fest, ist es flüchtig.
Der Augenblick, in dem man sich fühlt, als hätte man „einen leuchtenden Schnitz Nachmittagssonne verschluckt“, wie Elke Heidenreich in ihrem Vorwort die neuseeländische Autorin Katherine Mansfield zitiert, ist meist schon längst vorbei, bevor man ihn richtig wahrgenommen hat.

Bilder und Gedichte

Mit der Kombination aus seinen z. T. bisher unveröffentlichten Bildern und ausgewählten Gedichten, z. B. von Hildegard von Bingen, Jorge Luis Borges, Mascha Kaléko, Friedrich Nietzsche und vielen anderen, weiht Quint Buchholz den Leser und Betrachter in sein Geheimnis für das Empfinden von Glück ein: das Zulassen von Langsamkeit. Denn nur wenn man sich nicht von der Hektik und zunehmenden Geschwindigkeit unserer Zeit mitreißen lässt, kann man kleine Glücksmomente überhaupt erst erkennen.

Ruhe und Stille

Nicht umsonst ist das erste Kapitel mit „Der Augenblick ist mein“ betitelt. Die Bilder von Quint Buchholz zwingen einen denn auch zum Verweilen. Manche zeigen Szenen – Aussichten auf das Meer, Nebel verhangene Landschaften oder ein Wolkenhimmel– die durch den Verzicht auf unwichtige Details Ruhe vermitteln. Und in der Stille wird einem das Glück viel eher bewusst.

Impulse durch Unerwartetes

Dann wieder gibt es Bilder, die den Betrachter durch skurrile Sujets herausfordern und festhalten. So spaziert einmal ein Löwe ganz selbstverständlich über den Strand, als könnte man das bei jedem Badeurlaub so sehen. Ein anderes Bild zeigt einen Mann – wohl den Künstler selbst – wie er gemeinsam mit einem Pinguin aus einer Strandhütte auf das Meer blickt. „Das Aufspringen neuer Quellen“ hat er ein weiteres Kapitel genannt – und eben diese unerwarteten Motive lassen den Betrachter innehalten und neue Impulse erfahren.

Buchholz, Langsamkeit Löwe - Ausschn.

Innehalten und atmen

Quint Buchholz‘ meist fotorealistische Malweise trägt dazu bei, dass man als Betrachter einen Gang herunterschaltet. Denn häufig muss man überlegen: Foto oder gemaltes Bild? Und die gelegentlich surrealen Motive des Malers lassen einen stets über die Geschichte dahinter grübeln.
So entsteht

„Ruhe im Innern,
Ruhe im Äußern.
Wieder Atem holen lernen,
das ist es.“

Christian Morgenstern

Und wenn man wieder innehalten und atmen kann, anstatt durch die Zeit zu hetzen, erhält auch das kleine Glück Raum, wahrgenommen zu werden.

 

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