Veränderung – im Leben und in der Kunst.

Für viele Menschen sind Veränderungen unliebsam und lästig oder machen sogar Angst. Wenn man sich auf neue Dinge einlässt, muss man gewohnte Vorgehensweisen überdenken und oft auch die persönliche Komfortzone verlassen.
Veränderungen können aber auch durchaus positiv sein und die Kreativität beflügeln. Damit und mit der Wirkung von Veränderungen auf die Kunst sich Angelika Biber in diesem Beitrag auseinander.
Grundsätzlich nimmt die Malerin Neues als Bereicherung wahr. Schon als Jugendliche, sagt sie, habe sie wöchentlich ihr Zimmer umgeräumt und erhielt dadurch ständig neue Perspektiven.

„Möglicherweise male ich deswegen so gerne in Schichten im Bild, da ich dadurch auch immer wieder Veränderungen erlebe und neue künstlerische Perspektiven erhalte.“

Das Positive im Negativen

Natürlich planen wir nur den positiven Wandel, freuen uns über die gelungene neue Farbschicht oder sehnen den nächsten erholsamen Urlaub herbei. Solche Veränderungen sind beabsichtigt, selbstbestimmt und positiv. Leider gibt es aber auch Veränderungen, die unangenehm, schmerzhaft und mit Nachteilen verbunden sind.
Oft ist ein solcher Wandel unausweichlich, wie zum Beispiel das Älterwerden. Das bringt das eine oder andere Zipperlein mit sich und das steigende Bewusstsein unserer eigenen Endlichkeit. Da es aber müßig ist, mit dieser Entwicklung zu hadern, bleibt als produktive Herangehensweise eigentlich nur die Suche nach dem Positiven im Negativen oder auch eine Änderung der eigenen Einstellung.
Um beim Beispiel des Älterwerdens zu bleiben: Ein positiver Nebeneffekt ist doch meistens, dass man sich einfach weniger Gedanken darüber macht, was andere Menschen von einem selbst halten. Ganz besonders für die Kunst kann das sehr befreiend sein!

Es lohnt sich also immer, eine unliebsame Veränderung von allen Seiten zu beleuchten, mental sozusagen das Zimmer umzuräumen, um durch die neuen Perspektiven einen positiven Aspekt zu finden.

Angelika Biber, Acryl Bäume Frühling Veränderung

Neuanfang

Starke Veränderungen können einen Neuanfang bedeuten. Wenn das Festhalten an Vorhandenem, Gewohntem einfach nicht mehr funktioniert, kann ein neuer Anfang wie das Zerschlagen eines Gordischen Knotens wirken.
Für die Kunst bedeutet das, dass man zwar immer noch eine Schicht über ein Bild legen kann, mit dem man nicht vollauf zufrieden ist. Aber manchmal kann es ungeheuer befreiend sein, einfach neu anzufangen!

„Das Alte loszulassen und einen Neustart wagen. Eine neue weiße Leinwand, ein neues Blatt Papier, eine neue Idee. In diesem Augenblick kann dann noch alles daraus werden, es liegt in deiner Hand!“

Angelika Biber, Acryl Bäume Sommer Veränderung

Kein Neuanfang ohne Abschied

Leider muss dem Beginn von etwas schönem Neuen immer das Ende von etwas anderem vorausgehen. Das kann durchaus schmerzhaft sein, denn nicht immer wollen wir uns schon trennen. Oder etwas geht zu Ende und wir haben einfach noch keine Idee für den Neuanfang. In der Kunst bedeutet das Arbeiten in Schichten z. B. dass man sich zunächst von einer Schicht – mag sie auch noch so schön sein – verabschieden muss, um eine neue darüberlegen zu können. Aber auch diese Entscheidung kann etwas Befreiendes haben:

„Wie das befreite Überarbeiten eines unfertigen Bildes, dessen schöne Stellen uns festgehalten und blockiert haben.“

Angelika Biber, Acryl Bäume Herbst Veränderung

Zurück auf Anfang? Oder durchhalten?

Natürlich sollte man sich das Neuanfangen, die schnelle Veränderung, nicht zu einfach machen. Wenn es eher darauf hinausläuft, dass man der Auseinandersetzung mit aktuellen Schwierigkeiten aus dem Weg geht und lieber immer wieder den Reset-Knopf drückt, verschenkt man Entwicklungsmöglichkeiten. Manchmal lohnt sich eben doch noch die neue Farbschicht über dem Bild, manchmal bringt es doch die meiste Befriedigung, sich einem Problem zu stellen. Künstlern liegen diese Bilder oft am meisten am Herzen.

„So befreiend ein Neuanfang sein kann, kann es doch auch, besonders in künstlerischer Hinsicht, notwendig sein, in eine starke Auseinandersetzung mit dem Thema zu gehen.“

Angelika Biber, Acryl Kirschblüten Frühling Veränderung

Veränderung zulassen

Viele Veränderungen würden wir am liebsten einfach aufhalten. Das funktioniert aber nur selten, denn der Wandel ist nun einmal eine Konstante des Lebens. Es verändert sich immer etwas.

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen.“
Chinesisches Sprichwort

Angelika Biber gehört eher zum Team Windmühle. Sie versucht, Veränderungen mit Offenheit zu betrachten. Allerdings gibt sie zu, dass sie als freiberufliche Künstlerin auch das Glück hat, einen großen Teil der Veränderungen selbst auswählen und anstoßen zu können: „Es geht hier vielleicht auch um gewollte oder ungewollte Veränderungen und darum, ob es unsere Entscheidung ist, etwas zu verändern, oder ob es mit uns passiert.“

Angelika Biber, Acryl Weite abstrakte Landschaft Sonnenuntergang

Die Veränderung für die Kunst nutzen

Im Atelieralltag kann Angelika Biber z. B. durch die Materialwahl beeinflussen, wieviel Veränderung sie zulassen möchte. Bei vielen experimentellen Techniken überlässt sie auch dem Material die Entscheidung, wohin die Reise geht. So kann sie sich zurücknehmen, das Bild durch Zufälligkeiten entstehen lassen und die Veränderungen staunend beobachten. Diese ungeplanten Aspekte des experimentellen Arbeitens empfindet sie als sehr bereichernd.
Manchmal braucht es Ausdauer und Stärke, um mit negativen Veränderungen umzugehen und das Beste aus der Situation zu holen. Manchmal ist es aber auch gut, loszulassen und ein neues Blatt Papier zu nehmen.
Wann wir das eine oder das andere brauchen, ist oft schwer zu sagen. Aber wenn du gut auf dich hörst, wirst du schon wissen, ob dich Festhalten oder Loslassen weiterbringt.
Also, gehe mutig und unerschrocken deinen künstlerischen Weg und schaue, wie du den Veränderungen, egal welche es sein mögen, positiv begegnen kannst.
Lass Farbe fließen!


Danke Angelika!
Dieser Beitrag basiert auf dem Beitrag „Die Kunst der Veränderung oder die Veränderung deiner Kunst“, zuerst erschienen auf dem Blog von Angelika Biber www.atelier-farbraeume.de

Angelika Biber beim Malen

Angelika Biber

  • freischaffende Künstlerin, Designerin und Dozentin in ihrem  Atelier ART FACTORY in Köln-Dünnwald
  • kunstpädagogische Projektmitarbeiterin bei verschiedenen Bildungsträgern
  • Autorin mehrerer Bücher zur experimentellen Malerei

 

Auf ihrer Website gibt es neben einem Blog und einer Galerie mit ihren Werken auch die Möglichkeit, ihre Bilder zu erwerben sowie Kurse zu belegen, aktuell die sehr beliebten Online- und Video-Kurse: www.atelier-farbraeume.de

Lies auch:

Ausschnitt "Komplementäre Klänge"

Kunst macht glücklich

Im Gespräch mit Angelika Biber

Nachhaltig malen

Ideen und Tipps von Angelika Biber

Biber Konzentration im Bild

Konzentration und Fokus im Bild

Gastbeitrag von Angelika Biber

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit akzeptierst du die Datenschutzbedingungen (DSGVO).

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.