Urban Sketching: Spiel von Tinte und Aquarell – im Gespräch mit Danny Hawk

Momente in einem Skizzenbuch einzufangen und festzuhalten – das ist es, was Danny Hawk am Urban Sketching so fasziniert. Er liebt die Idee, seinen Blick auf die Welt zeichnerisch darzustellen. Und so sieht man ihn hin und wieder mit seiner kleinen Materialauswahl, wie er in seiner Wahlheimat Berlin schöne Ansichten, aber auch unerwartete Ecken skizziert.
Danny Hawks Urban Sketches wirken so selbstverständlich, als gingen sie ihm ohne Anstrengung ganz leicht von der Hand, so dass es überrascht, dass er nicht schon immer zeichnet. Tatsächlich nahm der gebürtige Amerikaner zunächst einen Umweg über ein Studium der Germanistik und der Internationalen Politik an der Miami University of Ohio. Erst als er nach seinem Studium 2012 nach Deutschland kam, entdeckte er seine Leidenschaft für die Kunst und ganz besonders für das Urban Sketching.

Spartanische Ausstattung

Danny Hawks Materialauswahl ist sogar für einen Urban Sketcher eher spartanisch: Er benutzt fast ausschließlich Tinte und Aquarellfarbe. Das hat zum einen einen ganz praktischen Grund: Seine Ausstattung besteht nur aus wenigen Teilen und lässt sich gut in einem Rucksack mitnehmen. Mehr als einen Bleistift, einen Füller, ein paar Aquarellpinsel, 10 – 12 Farben sowie einen kleinen Wasserbecher und natürlich das Skizzenbuch braucht er nicht, um vor Ort zeichnen zu können. Der zweite Grund ist eher künstlerischer Natur: Ihn fasziniert die Abwechslung zwischen Zeichnen und Malen, und dafür stehen Tinte und Aquarellfarbe sozusagen exemplarisch. Daher sind seine Werke keine reinen Zeichnungen und auch keine reinen Aquarellbilder – sie vereinen beides in sich!

Zügig, aber trotzdem realistisch

In vielen Büchern oder Blogs zum Thema Urban Sketching liest man, das Geheimnis einer gelungenen Skizze sei das lockere, spontane Zeichnen. Schließlich geht es beim Urban Sketching darum, in kurzer Zeit das Wesentliche eines Motivs zu erfassen und zu Papier bzw. ins Skizzenbuch zu bringen. In dieser Hinsicht scheint Danny Hawk aber im Zwiespalt zu sein. Zwar begrenzt er sich beim Skizzieren einer Szene auf ein bis zwei Stunden, aber dennoch ist ihm die realistische Darstellung wichtig.

„Ich liebe die kleinen Details an einem Gebäude oder in einer Straße und versuche daher, ihnen in meinen Bildern gerecht zu werden.“

Aus diesem Grund legt er auch großen Wert auf Komposition und Layout. Und er spielt auch gern mit Negativraum und Umrissformen sowie unterschiedlichen Schriftarten, die er manchmal in seine Sketches integriert.

Überraschungen bei der Motivsuche

Was ihn am Urban Sketching besonders fasziniert, ist, dass er zu Beginn nie wirklich weiß, was in seinem Skizzenbuch entstehen wird. Er liebt die Überraschungen bei der Motivsuche. Oft fährt er in eine andere Stadt oder in ein nicht so vertrautes Viertel Berlins und lässt sich treiben. Manchmal notiert er sich Plätze oder Gebäude, die er sich später noch einmal ansehen möchte.

„Aber am Ende fahre ich irgendwohin oder gehe auf eine Reise und bin gespannt, was ich für Motive „sammeln“ werde.“

 

Dabei sieht Danny Hawk die europäischen Städte als Amerikaner möglicherweise mit anderen Augen als jemand, der in Europa geboren ist und für den alte Bauwerke nichts so sehr Besonderes sind. „Ich habe mich immer für Architektur interessiert und bin daher ganz dankbar, hier in Europa leben zu dürfen. Fachwerkhäuser, Burgen und Schlösser gibt es bei uns in den USA nicht!“

Muenchen-HAWK-A5-min

Stadt und Natur

Besonders reizvoll findet der Sketcher die Verbindung von Stadt und Natur. So sucht er sich bevorzugt Motive, in denen Vegetation das urbane Umfeld belegt.
Die grünen Bereiche in seinen Zeichnungen gestaltet er in vielfältigen Grüntönen. Die Basis dafür ist oft Saftgrün, das er immer in seiner Palette hat. Dieses mischt er dann mit Blau-, Gelb- oder Brauntönen und erhält so eine große Bandbreite an Grüntönen für seine Bäume und andere Pflanzen.
Seine Lieblings-Farbmischung besteht aber aus Ultramarinblau und Englisch-Venezianisch Rot. Dieser lebendige Dunkelton eignet sich wunderbar für Schatten oder andere Elemente, wie Wolken und Straßen.

Skizzen erzählen eine Geschichte

Das Wunderbare am Urban Sketching ist für den Zeichner, dass man kein Studio braucht und beim Zeichnen mitten im Leben sein kann. Wenn man eine Weile an einem Ort zeichnet, fallen nach und nach immer neue Dinge ins Auge. Irgendwann, so erzählt Danny Hawk, werde er dann eins mit dem Ort. Die Menschen sprechen ihn an und er spürt die Energie.

„Hinter jeder Zeichnung gibt es eine Geschichte. Das finde ich toll. Ich weiß, wo und mit wem ich unterwegs war, woran ich gedacht und wie ich mich gefühlt habe. Die Zeichnungen sind also eine Art visuelles Tagebuch mit Orten, an denen ich mich länger oder gerne aufgehalten habe.“

Zeichnen im wirklichen Leben

Obwohl seine Kunst analog ist und er ganz klassisch Linie und Farbe auf das Papier bringt, holt er sich auch viel Inspiration aus dem Internet. Besonders auf Instagram, wo er mit seinem Account auch selbst vertreten ist (www.instagram.com/dannyjhawk/) und wo ihm fast 70.000 Menschen folgen, ist eine interessante Urban Sketching-Szene entstanden. Hier findet er viele Impulse, andere Herangehensweisen, neue zeichnerische Techniken und vieles mehr.
Aber das Wesen des Urban Sketching ist analog, gezeichnet wird im wirklichen Leben:

„Durch das Zeichnen und Malen vor Ort lernen wir, weg von den Bildschirmen zu schauen und stattdessen auf das Leben zu achten und auf alles, was um uns herum passiert – die Jahreszeiten, das Wetter, die Menschen.“

Lies auch:

Cala-sa-Nau-skizze-Mallorca-chrisa-hans-christian-sanladerer

Die Kraft der Zeichnung

Im Gespräch mit Hans-Christian Sanladerer

Nicola Maier-Reimer, Pink

Momentaufnahmen voller Charme

Im Gespräch mit Nicola Maier-Reimer

Kunst als Weg und Leidenschaft

Im Gespräch mit Sue Hiepler

Buchempfehlung

Urban Watercolor Journey von Sue Hiepler

2 Antworten auf „Urban Sketching: Spiel von Tinte und Aquarell – im Gespräch mit Danny Hawk“

  1. Hallo Frau Krüger,
    ich benutze gerne einen japanischen Füller namens Platinum Carbon Desk Fountain Pen mit einer extrafeinen Feder und Platinum Carbon Tintenpatronen. Gute Erfahrungen habe ich ebenfalls mit dem LAMY Safari und De Atramentis Dokumentinte gemacht (Aufziehkonverter notwendig). Beide Tinten sind wasserfest. Achten Sie bitte auf jeden Fall darauf, dass Ihre Tinte explizit für Füller geeignet ist, da es ansonsten zu Verstopfungen führen kann.

    Beste Grüße
    Danny Hawk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Hiermit akzeptierst du die Datenschutzbedingungen (DSGVO).

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.