Mal-Anleitung: „Sommerabend“ von Susanne Mull

Das Pastell ermöglicht eine einzigartige Symbiose von Zeichnung und Malerei. In Deutschland gehört Susanne Mull zu einer der wenigen freischaffenden Künstlerinnen, die sich der Pastellmalerei zugewandt haben. Mit Pastell entstehen Werke von großer atmosphärischer Dichte. Ohne Bindemittel entfaltet das reine Pigment seine einzigartige Leuchtkraft.

Samtige Anmutung

Hier zeigt Susanne Mull, wie man ein schattiges Plätzchen mit Blick auf eine Sommerwiese in der Abendsonne mit Pastellkreiden gestaltet.

Du brauchst:

  • Pastellpapier (z. B. UArt Sanded Paper Grade 240)
  • Wasserfarben (Acryl, Gouache o. Aquarell, nicht pastos verwenden!) in Siena gebrannt und Zinnoberrot (für Imprimitur)
  • Softpastelle in Blau grünlich, Weiß, Violett bläulich hell u. dunkel, Grauviolett, Olivgrün hell, mittel, sehr dunkel, Phthalogrün dunkel, Kaltgrün dunkel, Schwarzbraun, Maigrün hell u. dunkel, Goldocker hell, brauner Ocker, Grau grünlich, Dunkelbraun rötlich
  • Pastellstift
  • breiter Pinsel
  • Holzplatte als Unterlage

1
Zuerst das Pastellpapier umlaufend mit Kreppband auf der Holzplatte befestigen.
Dann mit einem breiten Pinsel die Imprimitur aus dünnflüssiger Wasserfarbe (Siena gebr. und Zinnoberrot) auftragen. Dabei darf nicht zu nass gearbeitet werden. Eine Nacht lang trocknen lassen.
Nun geht es an die Vorzeichnung: Mit dem Pastellstift alle wichtigen Konturen einzeichnen. Die Linien des Pastellstifts vermischen sich später mit dem Auftrag der Pastelle.

2
Nun mit dem Farbauftrag mit den Softpastellen beginnen. Zuerst die dunklen Farbtöne auftragen und dabei den im Vordergrund stehenden Baum aussparen.
Für den Himmel Blau grünlich (mittlerer Tonwert) und Weiß zum Aufhelles des Blaus auftragen. Damit einen Verlauf vom Horizont nach oben anlegen und mit den Fingern verreiben.

3
Jetzt die Farben im Himmel flächig verwischen. Hellblau und Weiß zu einem weichen Übergang verwischen.
Bei der Landschaft vom hinteren Bildraum nach vorne arbeiten. D. h. zuerst den Wald und die Höhenzüge ganz im Hintergrund weich verwischen und den Übergang zum Horizont weich gestalten. So entsteht durch die Luftperspektive das sogenannte Sfumato.
Dann das Waldstück im Mittelgrund anlegen. Dafür weitere Grüntöne auftragen und innerhalb der Formen teils verwischen.
Die dicken Äste des Baums im Vordergrund noch einmal betonen, um die Vorzeichnung nicht zu verlieren.

Generell vom Hintergrund über den Mittelgrund zum Vordergrund arbeiten. Dabei von kühlen Farbtönen zu wärmeren gehen.
Jede Fläche oder Form in zwei bis drei Schichten bearbeiten. Dabei in zwei bis drei Tonwertstufen von dunkel nach hell vorgehen.

Tipp:
Für weiche Übergänge und Verläufe mit der Gestik der Form folgen!

4
Nun das Laub der Baumkrone perspektivisch gesehen von hinten nach vorne anlegen. Die dunkelsten Blätter liegen weiter vorne – im Gegenlicht.
Dann folgt der zweite Farbauftrag des trockenen Grasfelds im Mittelgrund: Goldocker.

5
Den dritten Farbauftrag für das trockene Grasfeld im Mittelgrund anlegen: Goldocker – eine Tonwertstufe heller.

6
Nun sind  die Schattenbereiche des Baumstamms an der Reihe. Diese mit Schwarzbraun anlegen und mit Phthalogrün dunkel, Dunkelbraun und Kaltgrün dunkel überarbeiten.
Dann das dunkle Laubwerk sowie den Schattenbereich um dem Baum herum verdichten.

7
Mit Graugrün die Grasstruktur im lichten Schatten anlegen.
Auch in den Schattenbereichen gibt es Licht. Für das Laubwerk im Baum von dunklen Braun- und Grüntönen über mittlere Olivtöne zu den Höhungen (Lichtreflexe auf einzelnen angeleuchteten Blättern) in Ocker, Goldocker und Maigrün hell gehen.
Genauso den Stamm und die Äste mit den sonnigen Bereichen anlegen.
Schatten werden durch sichtbare Strukturen „lebendig“. Hier sind das Grashalme und die Schottersteine des Pfads.

Wichtig: Nur schwache Tonwertsprünge vornehmen!

Das fertige Bild lässt den Betrachter die Sommersonne auf der Wiese förmlich spüren. Hier kommen die samtige Oberfläche und die teils sanft verwischten Übergänge, die für das Pastell so typisch sind, sehr schön zur Geltung.
Susanne Mull

Susanne Mull

www.susanne-mull.de
info@susanne-mull.de


Susanne Mull hat zwei erwachsene Kinder – „das letzte Kind im Haus hat Fell“ – teilt gerne ihre Kochkunst und geht mit Hund spazieren oder fährt Fahrrad. Sie liebt modernes Ballett.

Workshops und Malreisen mit Susanne Mull

Die Künstlerin mag die Atmosphäre in den Kursen – konzentrierte Stille und nur die Geräusche des Farbauftrags auf rauem Grund erfüllen das Atelier. Sehr gerne gibt sie ihr Wissen weiter und freut mich über jeden, der dabei seine Passion für die wunderbare Pastellmalerei entdeckt.

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