Enkaustik ist eine bereits Jahrtausende alte Maltechnik, bei der Wachs als Bindemittel für die Pigmente dient. Heute wird das Wachs für die Enkaustik-Malerei z. B. mit dem Bügeleisen erwärmt. Dafür gibt es Farben oft als eingefärbte Wachsblöcke, die mit einem speziellen Enkaustik-Bügeleisen oder einem Heißluftfön angeschmolzen werden. Alternativ kann man das Wachs in einem Topf erhitzen und mit Pigmenten selbst einfärben.
Außerdem bietet der Markt mittlerweile auch spezielle Untergründe für das Malen mit Wachs. So hat z. B. die Firma Ampersand ein spezielles Encaustic Board entwickelt. Darauf haften die Wachsfarben besonders gut und kommen schön zur Geltung.
Außergewöhnliche Möglichkeiten
Für welches Material man sich auch immer entscheidet: Die Enkaustik-Malere eröffnet ganz besondere Darstellungsmöglichkeiten. Damit ist über den figurativen und abstrakten Bereich, die Integration von Collage-Elementen, hinein in die Objektkunst bis hin zu reliefartig ausgearbeiteten Kunstwerken alles möglich.
Du brauchst:
- hitzebeständiger, stabiler Untergrund
- Encaustic Board, 40 x 40 x 2,2 cm (z. B. von Ampersand)
- Wachsblöcke in beliebigen Farben
- Öl-Bronze in Reichgold (z. B. von Schmincke)
- Kochplatte mit am besten mehreren kleinen Töpfen zum Schmelzen der Blöcke
- Heißluftfön
- weicher Flachpinsel
- Netz, z. B. geflochtenes Platzset
So geht es:
1 Zunächst einen Wachsblock in Blau in den Topf geben und auf der Kochplatte schmelzen. Dann mit einem weichen Flachpinsel auf das Encaustic Board streichen. Das Wachs wird sehr schnell kalt und fest, sodass die Pinselstriche sichtbar bleiben.
Nun weitere, harmonisch abgestimmte Wachsfarben schmelzen und zügig auftragen. So ensteht ein interessantes Relief.
! Wenn man mehrere Farbtönen ineinander verarbeiten möchte, ist es hilfreich, auch mehrere kleine Töpfchen zum Schmelzen zu verwenden.
2 Dann das Netz auf die Bereiche des Bildes auflegen, die weiter strukturiert werden sollen. Anschließend weitere Wachsfarben im Topf schmelzen und mit dem Pinsel in die Netz-Zwischenräume auftragen.
! Unbedingt das Netz abheben, solange das Wachs noch warm und weich ist!
3 Sobald die Wachsfarben der Netzstrukturen ausgehärtet sind, können die Strukturen weiterbearbeitet werden. Hier wurden die erhabenen Stellen zum Teil mit Öl-Bronze in Reichgold bestrichen. Das ist eine Paste, die meist mit Bronze Medium vermischt wird, hier aber pur verwendet wurde.
Andere Bereiche wurden mit leicht kontrastierenden Wachsfarben überstrichen, um die Konturen etwas weicher zu gestalten. Auch hier bleiben die Pinselstriche erkennbar, was das Bild zusätzlich belebt.
4 Jetzt kommt der Heißluftfön zum Einsatz: In ausgewählten Bildbereiche mit der heißen Luft bestrahlen und so das erkaltete Wachs wieder verflüssigen. Dabei vermischen sich die bereits aufgetragenen Wachsfarben und es entstehen neue Formen.
Hier sind beim Abkühlen des nachträglich verflüssigten Wachses interessante Risse entstanden – Krakelee in Wachs!
! Wenn man das fertige und vollständig abgekühlte Bild vorsichtig mit dem Finger oder einem weichen Lappen poliert, entsteht ein sanfter Glanz.
Das fertige Bild besticht durch eine vielschichtige Farbigkeit und feine Strukturen. Bei jedem Betrachten springen neue Details ins Auge!
Enkaustik ist eine wunderbare, direkte Malweise! Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt. Die Vielfalt des Reliefs lässt sich etwa durch strukturbildende Materialien aus dem Haushalt und z. B. dem Verpackungsbereich, mal weich und sanft, kontrastiert durch schroff und klar, immer wieder variieren.
Brigitte Waldschmidt
Künstlerin, Autorin, Dozentin
www.brigitte-waldschmidt.de
Weitere Infos und Anmeldung:
06128 – 6823.
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Farbflash pur – Im Gespräch mit Brigitte Waldschmidt
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Eine sehr interessante Technik, die sich gut zum Kombinieren mit anderen Techniken eignet. Danke für die Vorstellung und einen sonnigen Samstag von Susanne