Mal-Anleitung: „A Day in Paradise“ von Inge Schulz

Das Mischen von Farben macht Inge Schulz besondere Freude! Hier zeigt sie, wie man für die gewünschte Bildaussage die richtigen Farben mischt. Dabei legt sie meist nur drei Ausgangsfarben zugrunde.
Das Besondere am Farbenmischen, so wie Inge Schulz es macht, sind die IGing-Farbkarten mit Farbpunkten. Mit ihrer Hilfe erstellt sie eine Art Farbstenogramm oder Moodboard von passenden Farben, bevor sie mit dem Malen beginnt. 

Das Arbeiten mit Farbkarten

Auf der Rückseite jeder IGing-Farbkarte ist der Farbcode des entsprechenden Tons notiert: So kann man sehen, aus welchen Prozentsätzen der drei Grundfarben Yellow – Magenta – Cyan sich der Farbton zusammensetzt. Richtet man sich ganz genau nach dieser Maßgabe, kann man den Farbton entsprechend nachmischen.

Karten mit Farbpunkten - IGing der Farben
Karten mit Farbpunkten - IGing der Farben.

Die persönliche Farbpalette

Immer, wenn Inge Schulz ein Farbton gut gefällt, malt sie ihn auf eine kleine Leinwand (20 x 20 cm) oder einen Malkarton in der gleichen Größe. Damit schafft sie sich eine wunderbare Farbpalette.
Auch bei ihren Malseminaren hat sie diesen Fundus an Farbtönen immer  dabei.
Solch eine Farbpalette ist eine große Hilfe bei der richtigen Farbfindung: Wenn in ihren Seminaren jemand nicht weiterkommt, drückt sie ihm den Karton mit den Farbaufstrichen in die Hand und lässt ihn verschiedene Kombination testen. Man kann z. B. die Farbkarten auf das begonnene Bild legen und schauen, ob die Farbe ins Bild passt!
Oft legt sie auch die Farbpunkte oder ihre eigenen Farbkarten auf den Boden und dann die entstandenen Bilder dazwischen. So erkennen die meisten Menschen Farbharmonien oder Disharmonien.

Du brauchst:

  • Leinwand, grundiert
  • Acrylfarben in Weiß, Zitronengelb, Orange-Gelb, Blau,  Rostrot, Umbra gebrannt, Krapplack dunkel und Lampenschwarz
  • Zwei Flachpinsel, 5 cm
  • Spachtel
  • Sprühflasche mit Wasser
  • Wasserbehälter zum Pinselreinigen
  • Küchenpapier und Mallappen
Inge Schulz, A Day in Paradise 1

1Zunächst zwei Farben auswählen – hier ein Blau und ein Orange-Gelb. Die Farbpunkt-Karten an die Leinwand heften und für eine erste Einschätzung der Wirkung Aufstriche anlegen.
Die Acrylfarben aller gängigen Markenhersteller sind sehr gut verwendbar. Man kann sie auch miteinander kombinieren.

Inge Schulz, A Day in Paradise 2

2Nun kommt der dritte Farbpunkt dazu: Rostrot. Die Farbe direkt auf die Leinwand setzen und mit der Idee spielen, dass daraus ein Bild/Motiv entstehen kann.
Manchmal hat man schon im Vorhinein eine Idee im Kopf, die man umsetzen möchte. In diesem Fall wählt man die drei Farben so aus, dass sie die Bildaussage unterstützen.
Man kann aber – wie hier – auch einfach nur mit den Farben spielen, ohne in diesem Stadium zu wissen, was entstehen wird.

Tipp:

Weil Acrylfarben beim Trocknen leicht nachdunkeln, sollte man beim Mischen die Farben etwas heller anmischen.

Inge Schulz, A Day in Paradise 3

3Nun geht es ans eigentliche Malen: Farbpunkte entfernen und mehr von den drei Farbtönen auf die Leinwand geben. Die Farben mit einem 5 cm breiten Flachpinsel einfach in die Breite ziehen.
Dann kommt noch eine helle Farbe dazu. Dafür Weiß und Zitronengelb zu einem Eierschalen-Ton mischen. 
Jetzt entsteht auch eine Motividee: Ganz viel Licht und Helligkeit sollen im Bild sein, das trotzdem eine kraftvolle Ausstrahlung haben soll.
Hier braucht man etwas Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was betont werden sollte. Ob harte Kanten weich gezeichnet oder ein Farbton durch eine helle Lasur aufgehellt werden sollte. 

Inge Schulz, A Day in Paradise 4

4Nachdem die Anlage der Farben schon ziemlich gut herausgearbeitet ist, wird das Motiv weiter ausgearbeitet. Für die Dunkelheiten einen dunkleren Ton anmischen, z. B. aus Blau und Lampenschwarz, und unter anderem an den unteren mittleren Rand setzen. Dieser dunkle Grauton sorgt für einen starken Kontrast, aber auch für Lebendigkeit im Bild. 

„König und Statisten“

Dunkelheiten und Kontraste sind wichtig in einem Bild, damit es lebendig wirkt. Inge Schulz lenkt in ihren Bildern das Auge auf genau die Stelle, wohin sie es haben möchte – nämlich hin zum Licht. 
Dabei ist ihr ein Ausspruch ihres Professors Lalo Srkalovic immer im Hinterkopf: „Es gibt nur einen König im Bild, der Rest sind die Statisten.“
Beides braucht es – einen Blickpunkt (König)  und die entsprechende Farbklaviatur (Statisten), die dorthin führt.
Wenn alle Farbtöne denselben Tonwert haben, verliert ein Bild an Kraft und das Auge ist mit der Zeit gelangweilt. Daher gilt es, eine Balance zwischen Hell und Dunkel, zwischen Kraft und Leichtigkeit, zwischen Ruhe und Bewegung zu finden.
Inge Schulz, A Day in Paradise
Inge Schulz, "A Day in Paradise". Acrylfarben auf Leinwand, 80 x 100 cm, 2019.

5Zum Schluss die blaue Farbe des Himmels weiter abtönen. Dazu die auf der Palette vorhandenen Farben verwenden und diese mit einem Spachtel in die untere Bildhälfte setzen.
Rechts könne ein Steg erkennbar sein, doch das bleibt dem Auge des Betrachters überlassen. Jeder darf im Bild sehen, was er möchte.
Im fertigen Bild führt der Weg ins Bild über die linke Seite ins Blau, die Farbe der Ruhe, Kraft und Weite. Weiter wandernd über den aprikotfarbenen Himmel, der sich in der Wasserfläche spiegelt. Hier zeigt sich die Kraft der Farbe Rot. Das Auge geht von hier zur hellen Oberfläche, ausgeruht und gestärkt wieder aus den Bildraum. 

Inge Schulz, Atelier mit Glastisch zum Farbenmischen
Ein Tisch mit einer Glasplatte eignet sich sehr gut zum Mischen der Farben. Inge Schulz verwendet dazu einen alten Computertisch. So hat sie viel Platz zum Mischen, und am Ende ihres Maltages schabt sie die restliche Farbe einfach mit einem Spachtel von der Platte.

Die Arbeitsweise von Inge Schulz

Im Prinzip braucht sie für ein Bild zwei Flachpinsel, einen für die hellen, den anderen für die dunklen Farben.
Beim Malen mit Acrylfarben verwende ich gern auch eine Sprühflasche mit Wasser, um die Farben zu vertreiben und fließende Übergänge zu schaffen.
Bei diesem Bild wurden zwar keine Pigmente verwendet, aber das Malen mit reinen Pigmenten kann sehr reizvolle Ergebnisse bringen. Inge Schulz löst reine Pigmente in Wasser an und gibt ganz vorsichtig Acrylbinder dazu. Hier braucht man Fingerspitzengefühl, denn jedes Pigment verhält sich anders und braucht eine andere Menge an Binder. Mit zu viel Binder entsteht eine gummiartige Masse, die glänzend auf der Oberfläche haftet. Außerdem wird dadurch die Leinwand „dicht“ und man kann dann nur noch dicker mit Acrylfarben darüber malen, um den Schaden zu beheben. Also vorsichtig mit Acrylbinder umgehen und lieber weniger als zu viel verwenden!

Inge Schulz

  • freischaffende Künstlerin
  • Expertin in Farbe und ihre Wirkung auf die Psyche
  • gibt Seminare zum Farbenmischen, IGing der Farben, Malen mit Pigmenten
  • außerdem Malreisen
Inge Schulz

Hohenzollernstr. 122
80796 München
089 45 237 937
inge.schulz@me.com

Atelier
STUDIO28
Viktoriastrasse 28
80803 München

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