Grafische Kontraste – Im Gespräch mit Beatrice Schmucker

Der menschliche Körper mit seinen Bewegungen ist die wesentliche Inspiration von Beatrice Schmucker. Mit starken kräftigen Pinselstrichen entstehen androgyne Körperformen mit starker körperlicher Präsenz. Aus Figuren, Formen und Naturelementen setzt sie eine Komposition auf der Leinwand zusammen.

Beatrice Schmucker, Sommer
Beatrice Schmucker, "Sommer". Mischtechnik, Pigmente auf Leinwand, 125 x 185 cm, 2017.

Die menschliche Figur als Motiv

Dabei geht es nicht um die korrekte Abbildung des Körpers. Die Figuren erscheinen eher reduziert und schemenhaft. Trotzdem geben die dargestellten Personen viel von sich Preis, denn sie haben mitunter etwas Verletzliches oder Erhabenes. Beatrice Schmuckers großformatigen Kopf-Bilder auf Leinwand lassen den Betrachter in die abgebildete Gefühlswelt eintauchen, obwohl die Gesichtszüge der dargestellten Personen nicht zu erkennen sind.

Das Glücklichsein neben dem Unglück – der Einzelne und die Gruppe. Diese Bandbreite des Mensch-seins mit all seinen Gegensätzen wird in einer Weise thematisiert, die dem Betrachter viel Spielraum für die eigene Interpretation und Emotion lässt: einerseits die vertraute Darstellung, anderseits etwas Uneindeutiges.

Beatrice Schmucker, Späherin
Beatrice Schmucker, "Späherin". Pigmente auf Leinwand, 150 x 150 cm, 2017.

Ein Prozess ständiger Reduktion

Beatrice Schmuckers Arbeit am Bild ist einem ständigen Wandel unterworfen. Dabei stellt es für die Künstlerin eine besondere Herausforderung dar, den Moment des Aufhörens zu erkennen oder den Mut für eine Übermalung aufzubringen. 
Als besonderes Merkmal ihrer Technik nennt Beatrice Schmucker die poetisch-schemenhafte Inszenierung ihrer Motive, die „oft wie durch einen Nebel“ hervortreten. So nutzt die Künstlerin zur Abbildung der menschlichen Umrisse grobe schwarze Linien, die sich stark von den darunterliegenden, zarten Pastelltönen abheben. Das bevorzugte Farbspektrum reicht vom zarten Rosé bis zum kräftigen Siena Orange, vom Lindgrün bis zum reinen Ultramarinblau. 
Vor allem interessieren Beatrice Schmucker die starken Kontraste, die sie mit verschiedensten grafischen Mitteln umsetzt. Dazu lässt sie z. B. unterliegende Farbschichten hervorblitzen und strukturiert die Oberfläche teilweise durch mehrmaligen Farbauftrag.

Beatrice Schmucker, Paar
Beatrice Schmucker, "Paar". Pigmente, Ölsticks, Kreide auf Leinwand, 120 x 185 cm, 2013.

Grober Pinsel und feine Linien

Die Künstlerin malt mit groben Pinseln und zeichnet mit feinen Linien. Auf diese Weise entwickelt sie mit wenigen Strichen, lebendiger Linienführung und intensivem Pinselduktus ihre Figuren oder auch Naturstrukturen. Dazu sind selbstangerührte Pigmente, die sie gerne mit Kreide oder Kohle kombiniert, das Lieblingsmaterial der Künstlerin. 
Im Vordergrund stehen bei ihr die Lust am Experiment und der spielerische Umgang mit dem Material. In Teilen erinnern die Arbeiten der Künstlerin dabei an asiatische Tuschemalerei.

Das Anrühren der Farbpigmente mit Leinöl, Ei und Wasser ist bereits Teil des Schaffensprozesses. Durch das unterschiedliche Dosieren der Farbpigmente verändern sich die Farbnuancen und es entstehen feine Farbabstufungen. Sogar lasierend kann gemalt werden, indem man die Mischung verdünnt.  Letzteres fasziniert die Künstlerin bei dieser Technik ganz besonders.

Beatrice Schmucker, Nähe
Beatrice Schmucker, "Nähe". Pigmente, Kreide auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2014.

In die Tiefe gehend

Zu ihren Bildideen kommt Beatrice Schmucker dabei häufig über das Tagesgeschehen. Unter anderem dienen ihr Fotos aus der Zeitung oder dem Internet als Inspirationsquelle. So ist über die Jahre ein ganzer Ideenkatalog entstanden, der als Fundus dient. Immer wiederkehrende Motive sind z. B. Fotos von Ballett-Tanz, Flucht, Afrika, der Bergwelt und der Natur.

Beatrice Schmucker, 3 Hoffnungsträger
Beatrice Schmucker, "3 Hoffnungsträger". Nitrofrottage, Pigmente, Kohle auf Pappe, 312 x 127 cm, 2016.

Mag es dabei auch erst einmal das Vordergründige sein, was sie inspiriert, so möchte Beatrice Schmucker mit ihrer künstlerischen Arbeit doch vor allem eines erreichen – einen Blick unter die Oberfläche werfen und auch den Betrachter ihrer Bilder dazu anregen.

„Erst das Uneindeutige weckt das Interesse am Bild“,

sagt Bea Schmucker und bezeichnet den eigenen Malstil als figurativ abstrahiert.

Beatrice Schmucker, Rücken
Beatrice Schmucker, "Rücken". Pigmente, Kohle auf Papier, 35 x 50 cm, 2016.

Kraftfeld Atelier und der wache Blick

Ihre Atelieratmosphäre bedeutet Beatrice Schmucker Ruhe- und Kraftfeld zugleich. Kunstschaffen ist für sie durchaus eine Glücksaktivität, da sie zeitlos und zeitvergessen ist. 
„Ein echtes Privileg, für diejenigen, die sich damit ausdrücken können und ständig Neues kreieren.“
Kreativität ist nach ihrer Auffassung zudem nur zum Teil erlernbar, wie etwa ein Handwerkszeug:

„Es ist aber noch nicht die Kreativität, die einen Künstler auszeichnet – diese ist im Idealfall immer gepaart mit einem Stück ‚Genialität‘.“

Beatrice Schmucker, Relax
Beatrice Schmucker, "Relax". Acryl, Pigmente auf Leinwand, 100 x 100 cm, 2016.

Zuweilen macht das Kunstschaffen auch das Leben erfüllter und leichter – nach vollendeter Arbeit tritt kurzzeitig eine befriedigte Ruhe ein, die dann aber sogleich durch das nächste Getriebensein ersetzt wird.
Die Inspiration bzw. der Drang zur künstlerischen Aktivität entsteht durch einen wachen Blick nach außen und auch durch die Kunst anderer Künstler.

Beatrice Schmucker

Panoramaweg 8
86391 Stadtberger

08 21 / 43 88 02
redhood8@freenet.de

www.schmucker-kunst.redhood.de

Beatrice Schmucker hat Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration studiert. Die freiberufliche Künstlerin und Grafik-Designerin verbringt ihre Zeit außer mit Malen am liebsten mit Wald-Spaziergängen mit Familie und Hund und mit Joggen.
Ihre künsterlischen Fähigkeiten gibt sie in Kursen an der Freien Kunstakademie in Augsburg weiter.
www.freie-kunst-akademie-augsburg.de

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